Griechische Marinesoldaten. © Stavrakis/pa
München – Der Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei spitzt sich nach Jahren der Annäherung wieder zu. Beim Antalya Diplomacy Forum drohte der türkische Außenminister Hakan Fidan mit militärischen Konsequenzen. Der Grund: Die Türkei fühlt sich von der verstärkten militärischen Zusammenarbeit Griechenlands mit Israel und Zypern bedroht.
Außenminister Fidan nannte das griechisch-israelisch-zypriotische Bündnis ein „Projekt mit dem Ziel der Einkreisung der Türkei“. Dadurch sei die Sicherheit der Türkei im Mittelmeer bedroht. Hier liege die „sicherheitspolitische Priorität“ Ankaras. Die Israelis hätten eine militärische Allianz gegen die muslimische Welt geschaffen, so Fidan.
Die beiden Nachbarländer und Nato-Mitglieder Griechenland und Türkei bemühen sich insbesondere seit dem Iran-Krieg um neue Allianzen. Während sich Ankara mit Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan zusammenschließt, sucht Athen verstärkten Anschluss zu Israel und Zypern. Die drei Staaten verfolgen gemeinsame Militärübungen und Ausbildungsprogramme von Streitkräften. Parallel baut Athen mit israelischer Hilfe seine Verteidigungsfähigkeiten aus. Dazu zählen Drohnenabwehrsysteme, Raketenabwehr sowie die kürzlich vereinbarte Lieferung von Mehrfachraketenwerfern des Typs PULS vom israelischen Hersteller Elbit Systems, wie der „Tagesspiegel“ berichtet.
Die neuen Spannungen hängen eng mit den verschobenen Machtbeziehungen im Nahen Osten zusammen. Die Türkei verfolgt dabei verschiedene Interessen. Zum einen geht es der Erdogan-Regierung um die Entschärfung des Iran-Krieges, zum anderen aber auch darum, den wachsenden Einfluss Israels in der Mittelmeer-Region zu mindern. Die Türkei suche den Schulterschluss mit Ägypten, Pakistan und Saudi-Arabien „als Gegengewicht zu dem, was seine Mitglieder als zunehmenden israelischen Einfluss im mittelöstlichen und mediterranen Raum empfinden“, so die Nahost-Expertin Maria Luisa Fantappiè im „Spiegel“.
Die entscheidende Rolle in dem wieder auflodernden Konflikt spielt Zypern. Die Insel ist seit 1974 in den türkisch kontrollierten Norden und die griechisch geprägte Republik im Süden geteilt.M. WANDINGER