In Grafenwöhr (r. Bürgermeister Knobloch) und Ramstein werden die Signale aus Washington aufmerksam registriert. © Weigel/dpa
München – Diesmal könnte es ernst werden. Berichte über einen möglichen Abzug von US-Soldaten haben zwar schon mehrfach Standorte in Deutschland verunsichert, die befürchteten Schritte blieben aber aus. Jetzt prüfen die USA nach Aussage von Präsident Donald Trump, der sich über fehlende Unterstützung im Iran-Krieg ärgert, erneut eine Reduzierung. Es wäre ein Schritt von maximaler Tragweite, militärisch und wirtschaftlich.
In Grafenwöhr hat man das Szenario bereits zweimal erlebt. 2020, wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl, drohte Trump erstmals mit dem Abzug amerikanischer Truppen. Am Ende verlor er die Wahl, und das Kontingent wurde sogar noch aufgestockt auf aktuell 37.000. Vor einem Jahr war es erneut so weit. Diesmal kursierten Gerüchte, der Präsident wolle den Stützpunkt in der Oberpfalz fast vollständig auflösen. Als Alternative war Ungarn im Gespräch.
Nicht nur wegen der jüngsten Niederlage des Trump-Freundes Viktor Orbán rechnet man in Grafenwöhr nicht mit einem solchen Schritt. Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) verweist auf das jahrzehntelang gewachsene Vertrauensverhältnis und die zuverlässige Partnerschaft. 30.000 Amerikaner leben in der Region, sowohl Soldaten als auch Zivilisten. „Schon eine Hausnummer“, sagt Knobloch. 60 Millionen US-Dollar fließen jedes Jahr in den Privatkonsum vor Ort, 3000 Deutsche haben einen Job bei der Army.
Mehr Gewicht, das weiß auch der Bürgermeister, haben indes die militärischen Argumente. Der gigantische Truppenübungsplatz ist der größte und modernste in Europa, seit 2024 entsteht auf den 230 Quadratkilometern zudem ein neuer Trainingscampus. Kostenpunkt: rund 900 Millionen Dollar. Es mag bei Trump keine absolute Sicherheit geben, aber doch eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Knobloch ist überzeugt: „Dies alles zusammengenommen spricht eindeutig für Grafenwöhr als einen starken Standort, den die Amerikaner nicht aufgeben werden.“
Auch den riesigen US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in der Pfalz erreichte Trumps Drohung in einem Moment extremer Betriebsamkeit. Zur Unterstützung der US-Truppen im Iran-Krieg starten mächtige Transportmaschinen derzeit fast stündlich röhrend Richtung Naher Osten und machen die Bedeutung der Air Base wortwörtlich unüberhörbar.
Für die USA hat Ramstein eine ähnlich herausgehobene Bedeutung wie Grafenwöhr. Der Ort gilt als Drehkreuz und militärische Herzkammer der USA für Operationen aus Europa – und als „Tankstelle“ für Regierungsmaschinen. Jüngst machte Vizepräsident JD Vance auf dem Weg von Pakistan Station.
„Geopolitisch würde selbst eine bloße Reduzierung der Truppenstärke ein gefährliches Signal der Schwäche senden, das in Moskau und Peking aufmerksam registriert würde“, meint der Politikwissenschaftler David Sirakov. „Der eigentliche Schaden für die USA läge weniger im militärischen Substanzverlust als in der verheerenden politischen Symbolik des zerrütteten transatlantischen Sicherheitsbündnisses.“
Ein Teilabzug wäre zudem ökonomisch für die Region folgenreich. Auf zwei Milliarden US-Dollar jährlich schätzt Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein, die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz. Auch bei ihm geht es nicht nur um militärische Fragen, wie Edgar Knobloch spricht der Bürgermeister von „Nachbarn und oft Freunden“. In Rheinland-Pfalz sind insgesamt 18.500 US-Soldaten stationiert. Hinzu kommen 12.000 Zivilisten und 25.000 Angehörige.