Charles fand den bislang erfolgreichsten Ansatz. © Loeb/dpa
Berlin – Wenn US-Präsident Donald Trump drakonische Maßnahmen gegen Europa ankündigt, ist der Zeitpunkt meist nicht zufällig: Häufig reagiert er auf Aussagen, die ihn verärgert haben. Auch bei den aktuellen Ankündigungen höherer Zölle und eines teilweisen Truppenabzugs liegt dieser Verdacht nahe. Doch welche Strategie ist die richtige im Umgang mit Trump?
Das Einschmeicheln: Der niederländische Nato-Generalsekretär Mark Rutte steht für die Taktik, Trump über den grünen Klee zu loben. In die Geschichtsbücher wird wohl diese Aussage eingehen: „Donald, du hast uns zu einem wirklich, wirklich wichtigen Moment für Amerika, Europa und die Welt geführt. Du wirst etwas erreichen, was kein amerikanischer Präsident seit Jahrzehnten geschafft hat.“ Ruttes Ziel ist es, dass es nicht zu einem Nato-Austritt der USA kommt.
Die harte Kante: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat einen anderen Weg gewählt, entweder aus Überzeugung oder aus dem Kalkül, dass bei Trump Sympathie jederzeit ins Gegenteil umschlagen kann und der Präsident Widerspruch mehr respektiert als Komplimente. Im Iran-Krieg untersagte Sánchez den USA, spanische Militärbasen für den Einsatz zu nutzen.
Mal so, mal so: Deutschland muss als Exportnation und Wirtschaftsmotor Europas amerikanische Rache-Aktionen besonders fürchten. Kanzler Merz hat daher bei seinen Besuchen im Weißen Haus auf Diplomatie gesetzt – aufgeschlossen bei offiziellen Auftritten, klar in der Sache im privaten Gespräch. Und wenn er sich in Deutschland äußert, ist er öfter mal kritisch gegenüber Trump. Doch das birgt Konfliktpotenzial: Merz‘ Formulierungen zum Iran-Krieg waren es wohl, die Trump jetzt in Rage brachten.
Mit Augenzwinkern: Kaum jemand hätte erwartet, dass König Charles III. im Umgang mit dem Präsidenten den bisher wohl erfolgreichsten Ansatz findet: Mit halb ironischen Anekdoten nahm er bei seinem Besuch letzte Woche indirekt die US-Regierung aufs Korn, wirkte dabei sympathisch und sprach sich gleichzeitig für die Unterstützung der Ukraine aus. Andere hätten damit Unmut ausgelöst, doch Trump blieb eher zahm. Kann vielleicht nur ein König ihm Kontra geben?