Das Drama um den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal sagt nicht nur viel über die Zerstörung des Lebensraums Meer, sondern auch über die Störungen in unserer Gesellschaft aus. Dass das Schicksal eines Tieres die Menschen ähnlich polarisiert wie sonst nur Polit-Streitereien, ist schon bemerkenswert. Da sind die, die argumentieren: „Lasst der Natur ihren Lauf“ – was insofern Unsinn ist, da der Wal wegen des Lärms tausender Schiffe gestrandet ist, nicht, weil das irgendwie „natürlich“ wäre. Auch das Netz in seinem Maul zeigt, dass es so etwas wie unberührte Natur in unserem von Menschen geprägten Zeitalter nicht mehr gibt.
Und auf der anderen Seite sind da Tier-Euphoriker, die in ihrer eben erwachten Wal-Begeisterung alles beiseitewischen, was Forscher sich in Jahren und Jahrzehnten mühsam an Wissen angeeignet haben. In der seltsamen „Hope“-Rettungstruppe mischten Rocker, Rechtsradikale und Esoteriker mit, die eine Wissenschaftsfeindlichkeit eint, wie sie spätestens seit Corona in diesen Kreisen angesagt ist.
Immerhin: Der Wal hat den aufwendigen Transport überlebt. Ob der geschwächte Meeressäuger in einer der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten Europas wirklich eine Chance hat, ist allerdings zweifelhaft. Deshalb wird munter weiter gestritten, um Peilsender, um Erfolgsmeldungen. Timmys/Hopes Geschichte taugt nicht als neuer Moby Dick, sondern ist nur eine traurige Farce.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET