Trump-Flüsterer Merz? Das war mal. Der US-Präsident setzt Deutschland mit dem Abzug von Soldaten unter Druck. © Bergmann, May/dpa
Berlin – Die USA machen Ernst: Rund 5000 Soldaten sollen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten aus Deutschland abgezogen werden, laut US-Präsident Donald Trump könnten es „weit mehr“ werden. Neben einer Verschlechterung der US-deutschen Beziehungen dürfte der Schritt Folgen für die betroffenen Regionen haben. Aktuell sind rund 86.000 US-Soldaten in Europa stationiert – davon 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen. Im Dezember 2025 hatte das US-Militär noch von 36.500 Soldaten gesprochen.
Laut „Washington Post“ ist unter anderem der Abzug einer Kampfbrigade geplant. Eine solche hat die US Army derzeit im Rahmen der „Operation Atlantic Resolve“ in Deutschland stationiert, die 2014 von den USA als Reaktion auf die russische Annexion der Krim gestartet wurde, um Nato-Partner zu unterstützen. Außerdem wolle das Verteidigungsministerium auf die für dieses Jahr geplante Stationierung eines Bataillons für den Einsatz weitreichender Waffen verzichten. Damit steht auch die von Trumps Vorgänger Joe Biden versprochene Stationierung von Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen infrage.
Die Verlagerung der Kampftruppen dürfte zu verkraften sein. Biden hatte Anfang Februar 2022 die Truppenstärke in Europa erhöht. Damals schickte er 2000 zusätzlich Soldaten nach Deutschland und Polen und verlagerte 1000 Soldaten von Deutschland nach Rumänien. Jetzt wird das Rad zurückgedreht. Unklar ist, welche Standorte betroffen sind. Die Verringerung der Kampftruppen könnte am ehesten die Standorte in Bayern treffen, also Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels. Aber konkrete Pläne sind nicht bekannt. Auf die Schließung ganzer US-Standorte deutet bisher nichts hin. Laut „New York Times“ gelten sie auch in Washington als zu wichtig, um infrage gestellt zu werden.
Gravierender wäre ein Verzicht auf die Raketenstationierung, mit der die Bundesregierung fest gerechnet hatte. Tomahawk-Marschflugkörper und neue Hyperschallwaffen sollten eine Sicherheitslücke in Europa schließen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hält es aktuell für unwahrscheinlich, dass die USA die von Präsident Joe Biden zugesagten Tomahawk-Mittelstreckenraketen liefern. „Wie ich es im Augenblick sehe, gibt es auch aus den USA heraus ganz objektiv kaum eine Möglichkeit, Waffensysteme dieser Art abzugeben“, sagte er am Sonntag bei „Caren Miosga“.
Nach dem „Traumstart“ im Weißen Haus vergangenen Juni haben sich die Beziehungen zwischen Trump und Merz dramatisch verschlechtert – und das binnen weniger Tage. Ausgangspunkt war wohl Merz‘ Kritik am Vorgehen der USA im Iran-Krieg. Der US-Präsident feuerte heftig zurück: Merz habe keine Ahnung, wovon er rede, und sei beim Ukraine-Krieg „völlig wirkungslos geblieben“, sagte Trump. „Ich meine, er hat einen schrecklichen Job gemacht.“ Die Bundesregierung versucht, den Ball flachzuhalten. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nannte den Teilabzug „absehbar“. Merz bekräftigte dies bei „Caren Miosga“. Der Truppenabzug sei im Kern nicht neu, sagte er. Der Kanzler bestritt außerdem, dass ein Zusammenhang zwischen der Entscheidung der USA und seiner Kritik am Iran-Krieg bestehe. Zugleich bekräftigte er seine Kritik an der Iran-Strategie Washingtons und verteidigte auch seinen Satz, wonach der Iran die USA „gedemütigt“ habe.
Ex-SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich riet angesichts der geplanten Reduzierung der US-Militärpräsenz in ganz Europa zu Abrüstungsgesprächen mit Russland. Man müsse darauf dringen, „dass die russischen, atomar bewaffneten Mittelstreckenraketen aus Belarus und Kaliningrad abgezogen werden“, sagte er der „SZ“.DPA/AFP