Wir müssen nicht jede Trump-Kröte schlucken

von Redaktion

Abzug von US-Soldaten

Trump macht Trump-Dinge – und Merz ist schuld? Das ist die bequemste Lesart, aber nicht die schlüssigste. Mit dem Abzug von 5000 US-Soldaten aus Deutschland tut das Pentagon, was es ohnehin irgendwann getan hätte; und bei aller Empfindlichkeit, die König Donald zu eigen ist, muss man sagen: Der fraglos ungeschickte Moment der Wahrheit, den der Kanzler sich zum Iran-Krieg geleistet hat, ist Vorwand, aber sicher nicht der eigentliche Grund für die US-Entscheidung.

Der liegt ganz woanders: im Bruch des transatlantischen Verhältnisses, den besonders Trump zu verantworten hat. In der Tatsache, dass wir uns nicht bedingungslos in seinen Iran-Feldzug geworfen haben. Womöglich auch in der Bereitschaft, Europas Sicherheit gegen (vermeintliche) Kurzfrist-Profite einzutauschen. Es würde nicht wundern, wenn Trump im Telefonat mit Putin über das Thema gesprochen hätte. Ein bisschen Hilfe beim Iran gegen weniger US-Präsenz in Europa? Für den Kreml-Chef erfüllen sich jedenfalls gerade diverse Träume: neben dem Truppenabzug vor allem die Streichung der versprochenen US-Mittelstreckenraketen in Deutschland.

Beides ist für uns unangenehm. Ebenso wie die Frage, ob der Umgang mit der aktuellen US-Regierung noch der richtige ist. Anders als der Spanier Sánchez hielt der Kanzler es bislang für klug, Trump zu beschwichtigen, seine Launen, soweit möglich, aus der Ferne zu managen. Er trug dabei nicht so dick auf wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte, signalisierte dem Republikaner aber grundsätzliches Einverständnis – und hoffte auf eine stabile Beziehung zu ihm. Dabei ist es doch längst eine Binse, dass hier gar nichts mehr stabil ist.

Europa ist (noch) nicht stark genug, um ohne die USA auszukommen. Aber es ist auch nicht mehr so schwach, dass es jede Kröte aus Washington schlucken müsste. Jetzt wäre behutsames Zähnezeigen angesagt: Berlin dürfte Trump zum Beispiel freundlich daran erinnern, dass die Drehkreuze in Europa für die USA unverzichtbar sind, zumindest dann, wenn sie in Afrika, Nahost, Osteuropa militärisch handlungsfähig bleiben wollen. Ramstein gibt es nicht aus Wohlfahrt, sondern aus US-Eigeninteresse. Statt Jammern: Rücken gerade machen. Das gilt für Berlin – und Europa.MARCUS.MAECKLER@OVB.NET

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