Bayerns Drohnenjäger

von Redaktion

Störsender: Ein Polizist mit einem sogenannten Jammer. © Peter Kneffel/dpa

Erding – Die Kamera sucht unermüdlich den Luftraum a, und sieht längst, was das menschliche Auge noch nicht mal erahnt. Eine unbekannte Drohne fliegt in hoher Geschwindigkeit am Himmel auf die Ehrengäste zu – zu denen neben Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gehört. Droht höchste Gefahr, oder ist es nur ein verirrter Hobbyflieger? Auch den Drohnenpiloten hat die Hochleistungskamera in einiger Ferne bereits ausgemacht. Nun muss eine schnelle Entscheidung her.

Die Einsatzleitung geht dazwischen. Das für genau diesen Fall auf zwei Fahrzeugen aufgebaute System setzt sich auf die Funkverbindung zwischen Drohne und Fernbedienung und übernimmt die Kontrolle über das Fluggerät. Noch während die Polizei die Drohne selbst landet, ist ein Einsatzfahrzeug bereits beim Piloten angekommen. Gefahr gebannt – auch wenn es diesmal eigentlich gar keine gab.

Es ist nur eine Vorführung, was sich am Montag auf dem Übungsgelände des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) der Bayerischen Polizei in Erding abspielt. Doch an echten Anwendungsfällen gibt es keinen Mangel. Drohnen sind schließlich ein probates Mittel für böswillige Kräfte, um Schaden anzurichten oder einfach nur Abläufe zu blockieren. Im vergangenen Herbst musste mehrmals der Betrieb am Flughafen München eingestellt werden, weil Drohnen gesichtet wurden. Dutzende Flüge wurden umgeleitet oder annulliert. Da die Flugobjekte zu klein sind und tief fliegen, werden sie von den dortigen Radaranlagen nicht erfasst und oft nur zufällig entdeckt. „Diese gezielten Störungen sind keineswegs bloße Zwischenfälle – sie sind Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur“, sagt Herrmann.

„Wir haben auch alle ein Gefühl dafür, von wem sie kommen“, sagt Söder am Montag. Zumindest einige der Attacken könnten „gezielt aus dem Ausland“ stammen, um die deutsche Bevölkerung einzuschüchtern, lässt der CSU-Chef durchblicken. „Wir lassen uns aber nicht einschüchtern“, sagt Söder. „Holen wir die Dinger runter, die uns gefährlich sind.“

Auch wenn Söder und Herrmann es am Montag offiziell eröffnen: Gearbeitet wird am DKAZ schon seit April – derzeit mit 40 Einsatzkräften, 100 sollen es einmal werden. Sie sind im engen Austausch mit anderen Bundesländern und natürlich auch mit dem Drohnenabwehrzentrum der Bundespolizei in Berlin. Strategieentwicklung, Beschaffung, Forschung, Ausbildung – alles soll nun im Freistaat an einem Ort gebündelt werden. Man sei das erste Bundesland, das das in dieser Weise tue, heißt es stolz.

Die Möglichkeiten, gegen unerwünschte Drohnen vorzugehen, sind dabei noch weit größer als im geschilderten Beispiel, erklärt Michael Libionka, Vizepräsident bei der Bereitschaftspolizei. So können auch Drohnen, die nicht über eine Funkverbindung gesteuert werden, sondern etwa über ein Telefon, mit speziellen Radarsystemen aufgespürt werden. Je nach Gefährlichkeit (hängt vielleicht sogar eine Handgranate daran?) sind auch die Mittel zur Unschädlichmachung verschieden. Störsignale können eingesetzt werden, Fangnetze oder auch eigene Jagddrohnen, die sich wie Raubvögel auf den Eindringling stürzen können und ihn vom Himmel rammen – auch das wird am Montag eindrucksvoll vorgeführt.

Und wer ist jetzt eigentlich wann zuständig, wenn an Deutschlands Himmel ungebetene Gäste auftauchen? „Bei großen Drohnen, Flugangriffen und Verletzungen der Landesgrenze ist es die Bundeswehr“, sagt Söder. „Bei kleineren die Polizei.“

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