Es ist eine regelrechte Abschiedstour: Vergangene Woche wurde Winfried Kretschmann pompös im Stuttgarter Neuen Schloss gefeiert, heute absolviert er seine letzte Kabinettssitzung, am 13. Mai endet seine Dienstzeit als Ministerpräsident. Der grüne Landesvater, der einst eher überraschend von den Protesten gegen „Stuttgart 21“ und der Fukushima-Katastrophe ins Amt gespült worden war, kann sich vor Schulterklopfern kaum retten. Auch aus dem konservativen Lager.
Es lohnt sich, einen Blick auf den Erfolg des 77-Jährigen zu werfen, der so gar nicht ins politische TikTok- und Youtube-Zeitalter passen will. Aber ein klarer politischer Kompass scheint auch in Zeiten politischer Echokammern noch von einer Mehrheit der Menschen goutiert zu werden. Es war der zuweilen knorrige Grünen-Politiker, der für die schwäbischen Autobauer kämpfte und sich beim Heizungsgesetz gegen Klimaschutz mit der Brechstange aussprach.
Nein, auch unter Kretschmann lief nicht alles gut. In der Schulpolitik, auch beim Ausbau der Windenergie bleiben grüne Baustellen. Und „Stuttgart 21“ ist immer noch nicht fertig. Aber es geht ein Politiker, dem die Sache wichtiger war als das eigene Ego. Daran sollten sich Jüngere ein Beispiel nehmen.MIKE.SCHIER@OVB.NET