Wo lokale Reporter fehlen, leidet Demokratie

von Redaktion

Tag des Lokaljournalismus

Ist es angebracht, sich mit einem Tag des Lokaljournalismus selbst zu feiern? Dürfen sich Berichterstatter, die ja eigentlich neutral sein sollen, derart in den Mittelpunkt rücken? Natürlich. Denn an diesem 5. Mai geht es vor allem darum, welche Bedeutung Qualitätsjournalismus im Lokalen hat.

Lokaljournalisten sind ganz nah dran an den Geschichten, die die Menschen wirklich bewegen. Sie erklären, ordnen ein. Sie zeigen auf, welche konkreten Auswirkungen die abstrakte Krankenhausfinanzierungsreform auf die Klinik in der Heimatstadt hat, was von den groß angekündigten Bundesförderprogrammen wirklich auf dem Land ankommt oder wie die Heimbetreiber in der Region auf die geplante Pflegereform schauen. Lokale Berichterstattung sorgt dafür, dass Missstände behoben werden – und zwar nicht irgendwo, sondern in der Heimatgemeinde. Lokaljournalisten haben ein waches Auge darauf, dass mit kommunalen Finanzen ordentlich umgegangen wird und politische Entscheidungen nicht im Hinterzimmer getroffen werden. Und sie sorgen auf jeden Fall dafür, dass die Menschen wissen, was Sache ist: warum der Bus gerade nicht fährt, das Hallenbad geschlossen ist oder die Straße ums Eck wieder einmal gesperrt werden musste. Lokale Berichterstattung bietet keinen Raum für Fake News, also gezielte Desinformation, denn die Rechercheergebnisse sind jederzeit von jedem überprüfbar.

Lokaljournalisten entdecken das Große im Kleinen, erzählen die Geschichten der Menschen im Ort und erkennen das Besondere, das in unserer schnelllebigen Zeit allzu oft übersehen wird. Wo Lokaljournalismus fehlt, leidet die Demokratie. Es gibt weniger Teilhabe, weniger Diskurs, weniger Kontrolle. Das vor Augen zu haben, ist wichtig – nicht nur am Tag des Lokaljournalismus.

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