Besuch in Brüssel: Söder (o. re.) traf Weber (o. li.) vor dem traditionellen Maibaumaufstellen. © Wunderlich/dpa
Brüssel – Für den Ministerpräsidenten stehen sie hier Spalier. Als Markus Söder mit seinem (bis auf CSU-Innenminister Joachim Herrmann) vollständigen Kabinett auf die schmucke bayerische Vertretung in bester Brüsseler Lage zumarschiert, säumen die Mitarbeiter seinen Weg. Zur gemeinsamen Kabinettssitzung mit Söders Parteifreund Manfred Weber ist Bayerns Regierung per Sonderflug in die europäische Hauptstadt gekommen. EU-Politiker Weber führt hier die mächtige EVP an – grob gesagt der Europa-Zusammenschluss der bürgerlich konservativen Parteien. Auch die CSU – deren Chef Söder ist – gehört dazu. Und dann soll hier natürlich noch ein Maibaum aufgestellt werden.
Söder und Weber – das muss man wissen – wird nicht das allerbeste Verhältnis nachgesagt. Doch an diesem Dienstag wirken sie einander auffallend zugewandt. Weber schätze den „Praxisinput aus Bayern“, sagt Söder. Zudem sei man natürlich „gemeinsam der Meinung“, wie dringend es endlich Bürokratieabbau brauche. Dass für Söder kurzfristig auch noch ein Besuch beim belgischen König aufs Programm rückte, dürfte der Stimmung gegenüber Brüssel ebenfalls zumindest nicht abträglich gewesen sein – die Presse musste draußen bleiben.
Im Winter hatte das alles noch ein wenig anders geklungen. Bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz hatte Söder geklagt, es gebe „nicht die gleiche Kommunikationsdichte zu Europa“ wie mit Berlin. Europaminister Eric Beißwenger erhielt „extra den Auftrag“, öfter in Brüssel zu sein und aktiv „Prozesse zu steuern“. Zusätzlich berichtet Ex-JU-Chef Christian Doleschal als internationaler Sekretär und Europabeauftragter direkt an Söder. Auch Generalsekretär Martin Huber ist seither regelmäßig in Brüssel. Am Dienstag nach einer Zwischenbilanz gefragt, sagt Söder, die Zusammenarbeit gestalte sich inzwischen „sehr fruchtbar und positiv“.
Schon etwas länger fällt auf, dass Söder seinen mitunter scharfen Ton gegenüber der EU heruntergeregelt hat. Auch beim Politischen Aschermittwoch der CSU, wo es durchaus hemdsärmlig zugeht, unterließ er eine gröbere Brüssel-Schelte.
Was auch auffällt: Die neue Harmonie mit Weber folgt auf eine Annäherung Söders an seine langjährige Wegbegleiterin und On/Off-Rivalin Ilse Aigner (CSU). Der Landtagspräsidentin hatte er kürzlich im Interview mit unserer Zeitung seine Unterstützung zugesagt, sollte sie im Januar Bundespräsidentin werden wollen (worauf sich Aigner offiziell noch immer nicht festgelegt hat). Manche Beobachter vermuten hinter dem sorgsameren Umgang mit möglichen Konkurrenten auch ein Stück weit Eigeninteresse. Denn nach einem mäßigen Parteitagsergebnis und einer mäßigen Kommunalwahl gilt: Söder – seit 2018 nahezu alleiniger CSU-Tonangeber – war in seiner Partei schon unumstrittener.
Auch dahingehend hätte es am Dienstag möglichen Konfliktstoff gegeben. Denn kurz zuvor hatte sich Weber für eine breitere Aufstellung an der Parteispitze ausgesprochen – wenn auch nicht zum ersten Mal. „Wir brauchen ein starkes Team, wir haben als CSU viele starke Gesichter an der Spitze“, sagte er t-online. Und lobte dabei auch Aigner explizit. Söder ging zumindest öffentlich nicht darauf ein.
Und nun zum Maibaum: 14 Meter ist der lang und ein Geschenk aus dem Allgäu, genauer gesagt, aus dem Gemeindewald von Bad Hindelang/Unterjoch, dem Heimatort von Europaminister Beißwenger. Die Tradition hat Söder 2008 selbst begründet – damals war er noch selbst Europaminister. Das Brüsseler Exemplar ist im Vergleich mit oberbayerischen Prachtstangerl zwar recht klein ausgefallen und obendrein unbemalt – doch bietet es womöglich in mehrerlei Hinsicht die passende Kulisse: Der Maibaum steht nämlich symbolisch für Fruchtbarkeit, Lebenskraft und für den Neubeginn.