Ein Gedankenexperiment: Angenommen, ein ausländischer Konzern aus der Chemie- oder Pharmabranche würde anbieten, in Deutschland ein neues Werk für 5000 Beschäftigte aus dem Boden zu stampfen. Das Hurra über die Milliardeninvestition wäre wohl groß. Bei der Bahn ist das leider etwas anders. Der italienische Bahnbetreiber NTV hat angekündigt, mehrere Milliarden zu investieren – um ein Fernverkehrsangebot in Deutschland zu etablieren. Alles, was man dazu hört, ist betretenes Schweigen. So nach dem Motto: Geht nicht, nicht nötig, gibt doch den ICE und überhaupt: Die arme Deutsche Bahn bekommt Konkurrenz, dabei geht‘s der eh nicht so toll.
Dieser Kleinmut ist bedauerlich. Aus Sicht des Fahrgasts wäre der Einstieg der Italiener nur zu begrüßen. Es winken niedrigere Preise und mehr Angebot. Bei den Regionalzügen gibt es etliche Konkurrenten zur DB, und es sind nicht die schlechtesten. Warum sollte das auf den ICE-Strecken nicht auch funktionieren? Die Politik, der Bundesverkehrsminister und seine Länderkollegen, sollten die Offerte mit ausgestreckten Armen begrüßen und übers Machen reden – statt sich wegzuducken.