Rettungskräfte stehen in der Nähe eines beschädigten Autos am Tatort in Leipzig. © Jan Woitas/dpa
Leipzig – Am Tag nach der Amokfahrt durch die Leipziger Innenstadt stehen die Menschen noch unter Schock. Viele legen am Tatort Blumen nieder oder zünden Kerzen an. Ein 33-Jähriger war am Montagnachmittag mit seinem Auto in eine Menschenmenge gerast. Dabei starben eine 63-jährige Frau aus Oberfranken und ein 77-Jähriger aus Leipzig. Mehrere Passanten wurden verletzt, mindestens drei davon schwer. Der Täter soll kurz zuvor in der Psychiatrie gewesen sein.
Der Fahrer wurde direkt nach der Tat von der Polizei aus seinem Auto geholt und festgenommen. Danach wurde er in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Leipzig gehe davon aus, dass der 33-Jährige die Tat „im Zustand der zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit begangen hat“, wie die Staatsanwaltschaft Leipzig mitteilte. Gegen den Mann wurde ein Unterbringungsbefehl wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in vier Fällen erlassen.
Inzwischen gibt es Details zum mutmaßlichen Täter. Jeffrey K. war in Leipzig als Haustechniker tätig, ist verheiratet und hat ein Kind. Er soll Boxtrainer in einem Leipziger Club gewesen sein. Vor der Tat soll der 33-Jährige laut „Bild“ einen Streit gehabt haben. Ob das der Auslöser für die Tat war, ist noch nicht klar. Die Polizei sieht ihn als Einzeltäter ohne politische oder religiöse Motive.
Die zentrale Frage in Leipzig aber ist: Hätte die Tat verhindert werden können? Der Mann war polizeibekannt, berichten die Behörden: „Der Tatverdächtige ist im Jahr 2026 bereits polizeilich wegen Bedrohung sowie ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld in Erscheinung getreten.“ Das Sozialministerium in Dresden bestätigt, dass Jeffrey K. bis kurz vor der Amokfahrt in einer Psychiatrie untergebracht war. Der 33-Jährige habe sich dort „auf eigenen Wunsch“ aufgehalten. Ende April sei er entlassen worden. Von ihm sei „keine Eigen- oder Fremdgefährdung“ ausgegangen. Es habe keinen Grund gegeben, den 33-Jährigen „am Verlassen der Klinik zu hindern“. „Bild“ hingegen berichtet, der Mann sei der Psychiatrie verwiesen worden, weil er sich aggressiv gegenüber anderen Patienten verhalten habe.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) spricht vor Ort von „schrecklichen Momenten“, es werde sehr lange dauern, das zu verarbeiten. Er sagt aber auch, es gebe „keinen hundertprozentigen Schutz“ vor solchen Amoktaten. Insgesamt sind in etwa 80 Personen von dem Ereignis betroffen, wie die Polizei mitteilt. Die Grimmaische Straße und der Bereich rund um den Markt wurden am Dienstag dann wieder geöffnet. Am Abend gab es für die Opfer eine ökumenische Andacht in der Nikolaikirche. Kretschmer und Oberbürgermeister Burkhart Jung (SPD) nahmen teil.M. WANDINGER