KOMMENTAR

Ein bisschen Singen reicht nicht

von Redaktion

„Hymnenpflicht“ in Bayern

Unser Land driftet langsam auseinander: Ideologische Gräben, politische Verwerfungen, Wertesysteme prallen aufeinander, die Identifikation mit der Heimat sinkt. Es ist nicht falsch, mehr Regionalbewusstsein und Nationalstolz anzuregen. Und sei es das Symbol, öfter Hymnen zu hören.

Trotzdem bleiben Zweifel, ob Bayerns neue „Hymnenpflicht“ bei Schulabschlussfeiern der Sache dient. Das reicht für eine schnelle Aufregung, wie so oft bei Söder-Plänen, und für rituellen Zorn bei fünf Verbänden und drei Parteien. Die praktischen Fragen einer Mitsingpflicht (nein) und Mithörpflicht (ja) lassen den Vorstoß ins Lächerliche abgleiten. Geholfen ist mit einer Hymne alle Jubeljahre niemandem. Und der Vergleich mit den USA mit mitunter täglichem Fahnen-Schwur macht auch nicht gerade Mut – keine Nation ist gespaltener als Trump-Land.

Die Werte hinter der Hymne müssen Schulen täglich vermitteln (und tun das auch fast überall, so gut es geht). Die Politik sollte sie darin systematisch unterstützen, nicht symbolisch; auch mit entkrusteten Lehrplänen und Abläufen. Und vor allem ganz jenseits der Schulpolitik darum kämpfen, dass das auch auf den Straßen gilt. Dass zum Beispiel Kalifat-Gröler und importierte Antisemiten aus dem Land geworfen werden, dessen Werte sie verachten.

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