Moskau/Kiew – Vor dem heutigen Tag des Sieges in Moskau haben Russland und die Ukraine ihren Drohnenkrieg unvermindert heftig fortgeführt. Die Ukraine gab ihre einseitig erklärte Waffenruhe nach einem Tag wieder auf und reagierte auf russische Attacken mit einem ihrer größten bisherigen Drohnenangriffe. Mit dem heutigen Tagesanbruch sollte eine einseitig von Russland erklärte Waffenruhe in Kraft treten. Die Waffen sollen für zwei Tage schweigen, während das Land mit einer Militärparade an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland 1945 im Zweiten Weltkrieg erinnert.
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, über Nacht seien 347 feindliche Drohnen abgefangen worden. Diese Militärzahlen sind nicht unabhängig überprüfbar; es ist aber eine der höchsten je gemeldeten Zahlen. Betroffen waren demnach fast alle Regionen in West- und Zentralrussland. Ein Angriffsziel lag nach übereinstimmenden Berichten beider Seiten in der Stadt Perm am Ural – 1500 Kilometer von der Ukraine entfernt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechtfertigte die Angriffe, die trotz der Feuerpause geflogen wurden. Russland habe die Waffenruhe gebrochen. Selenskyj warnte am Donnerstagabend ausländische Politiker sogar vor einer Teilnahme an der Weltkriegsparade in Moskau.
Auch Russland hat angesichts eines möglichen Vergeltungsangriffs auf Kiew die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt und ausländische Diplomaten erneut dazu aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Kiews Luftwaffe ortete 102 russische Drohnen, von denen 92 abgefangen worden seien.