Raus aus der Anonymität

von Redaktion

Berliner Freibad-Urteil

Freibadsaison, woran denkt man da? In Berlin an Polizei, Schlägereien, Zwangsschließungen. Drei Jahre ist das her, mittlerweile haben sich die Wogen der Aggression geglättet. Dazu haben viele Maßnahmen beigetragen, Deeskalationstraining und Onlinetickets für kürzere Wartezeiten, aber auch Ausweispflicht und Videoüberwachung. Und hier erfüllt sich wieder das Berlin-Klischee. Denn die Verwaltung warnt: Aber der Datenschutz!

Ein Gericht hat die Maßnahmen der Bäderbetriebe nun abgesegnet. Was wäre das auch für ein Signal gewesen? Potenzielle Randalierer müssten nichts befürchten, da sie im Schutz der Anonymität zuschlagen könnten. Zwar wäre es zu einfach zu sagen, dass nur die Angst vor Strafverfolgung wirkt. Auch bessere Ausbildung, mehr Sportangebote und ganz einfach die Debatte der letzten Jahre haben eine Rolle gespielt. Aber genauso klar ist: Seine persönlichen Daten offenzulegen und sich beobachtet zu wissen, kann eine Hemmschwelle sein.

Freibäder sind von Natur aus sensibles Terrain. Hitze, nackte Haut, Testosteron, die Enge – das kann eine explosive Mischung ergeben. Jede Maßnahme ist es da wert, geprüft zu werden, denn das Wohl der Allgemeinheit – Bäder sind klassische Familienziele – wiegt schwerer als die Bedenken des Einzelnen, ob das alles der Datenschutzgrundverordnung entspricht. Gut, dass das auch in Berlin so gesehen wird. Wobei: Die Datenschutzbeauftragte hat über eine Berufung noch nicht entschieden.

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