Es stimmt, die Israelis und Amerikaner haben bei ihrem Angriff auf den Iran nicht erreicht, was man sich vorgenommen hatte. Deswegen aber – wie der Bundeskanzler es vor einer Schulklasse im Sauerland getan hat – davon zu sprechen, dass Trump gedemütigt wurde, war verfehlt, zumindest als Äußerung eines deutschen Bundeskanzlers ungeschickt. Man kann leider auch nicht einfach sagen: Dieser Krieg ist nicht unser Krieg. Mit der deutschen Unterstützung Israels und unserer Hilfe für die Amerikaner sieht das Mullah-Regime unser Land als feindlich an. Daher haben die deutschen Geheimdienste den Bundeskanzler wie den Innenminister Alexander Dobrindt bereits gewarnt vor dem stark gestiegenen Risiko von vom Iran gestützten Anschlägen in Deutschland.
Falsch ist es auch, immer davon zu sprechen, Trump und Netanjahu hätten keinen Kriegsplan gehabt. Das Gegenteil ist der Fall. Der Plan bestand darin, in der Stufe 1 die iranische Führungsspitze auszuschalten (was gelungen ist) und danach durch einsatzbereite kurdische Kräfte den Iran auch durch Bodentruppen so zu destabilisieren, dass ein Umsturz des Regimes hätte stattfinden können. Dazu ist es nicht gekommen.
Gut möglich aber, dass sich nach der Ausschaltung der alten Führung im Iran neben den radikalen revolutionären Garden dort andere, gemäßigtere Kräfte durchsetzen, die vorher keine Chance dazu hatten. Die arabischen Golfstaaten haben erfahren müssen, dass Liebedienerei zum Iran keinen Schutz vor Angriffen bietet. Daraus werden sie schließen müssen, dass die Vereinigten Staaten (mit Israel) die einzige Macht sind, die glaubwürdige Sicherheit im Vorderen Orient bieten kann.
So gibt es die Chance, dass unter dem Schutzschirm der USA die arabischen Staaten und Israel doch endlich näher zusammenrücken können.
Eine allgemeine Friedensordnung und Versöhnung arabischer Länder mit Israel muss das größte Ziel jeder Politik im Vorderen Orient bleiben. Es wird keine kurzfristigen Lösungen geben. Aber ein viel schwächerer Iran macht diesen Weg sehr viel leichter. Es muss aufhören, dass der Iran terroristische Organisationen wie Hamas, die Hisbollah und den islamischen Dschihad unterstützt, wie gehabt. Dabei wird auch Israel sich ändern müssen in seiner unerhörten Siedlungspolitik wie auch im Gazastreifen.
In Wahrheit geht der Krieg nicht um den Iran, sondern um sehr viel mehr. Er geht darum, ob im Vorderen Orient endlich eine hoffnungsvolle Zukunft entsteht. Ein geschwächter Iran bedeutet, dass die ganze Region stabiler werden kann.
Das ist zurzeit noch Wunschdenken, auch weil der Iran mit Russland und China zwei mächtige Schutzpatrone hat. Bei seinem bevorstehenden Staatsbesuch in Peking wird der US-Präsident erleben, was das bedeutet.
Gleichwohl ist aber durch den hoffentlich bald beendeten Krieg eine Situation entstanden, in der sich ein Fenster öffnet, das jahrelang durch die Agitation des Mullah-Regimes verschlossen war. Das jetzige Geschehen könnte einmal in Erinnerung bleiben als der Kampf, der endlich und schließlich Frieden im Nahen Osten möglich gemacht hat.
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