Triumph des Brexit-Anführers

von Redaktion

Hat gut lachen: Nigel Farage schneidet mit Reform UK bei den Kommunalwahlen stark ab. © Yui Mok/dpa

London/Edinburgh/Cardiff – Die britischen Rechtspopulisten von Reform UK haben bei den Kommunal- und Regionalwahlen in Großbritannien stark abgeschnitten. Die Partei von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage gewann hunderte Mandate in kommunalen Gremien in England hinzu. Größter Verlierer ist die Labour-Partei von Premierminister Keir Starmer. Doch auch die oppositionellen Konservativen mussten schwere Verluste hinnehmen.

Trotzdem wies Regierungschef Starmer Rücktrittsforderungen zurück. „Ich werde nicht davonlaufen und das Land ins Chaos stürzen“, sagte der Labour-Politiker nach Auszählung erster Ergebnisse des Superwahltags vom Donnerstag. „Die Ergebnisse sind wirklich hart, ich will das nicht beschönigen“, sagte der Premier. Er übernehme dafür die Verantwortung. „Ich wurde für eine fünfjährige Amtszeit gewählt und habe vor, das durchzuziehen.“ Noch im Sommer 2024 hatte Starmer mit seiner Partei einen überwältigenden Sieg bei der Parlamentswahl errungen.

Er wolle seine Partei auch in die nächste Parlamentswahl führen, fügte er hinzu. Für die kommenden Tage kündigte Starmer an, Schritte vorzulegen, um den versprochenen Wandel herbeizuführen.

Schon seit Monaten hatte es heftige Spekulationen über eine mögliche Ablösung Starmers durch seine Partei im Fall eines schlechten Wahlergebnisses gegeben. Zum Vorteil gereicht Starmer jedoch womöglich, dass sich kein geeigneter Kandidat für die Nachfolge herauskristallisierte.

Ambitionen werden vor allem Ex-Vizeregierungschefin Angela Rayner, Gesundheitsminister Wes Streeting und Manchesters Bürgermeister Andy Burnham nachgesagt. Doch allenfalls Burnham sticht heraus, aber er müsste zuerst einmal den schwierigen Sprung ins Parlament schaffen. Das scheint angesichts der schlechten Wahlergebnisse noch unwahrscheinlicher geworden zu sein als bisher.

Reform-Chef Farage sprach von einem „historischen Wandel in der britischen Politik“. Angesichts starker Zugewinne seiner Partei in früheren Labour-Hochburgen sei die traditionelle Unterscheidung zwischen rechts und links obsolet, sagte Farage vor Anhängern in London.

Auch in Schottland, wo die Unabhängigkeitspartei SNP am Freitagabend vorn lag, gibt es für die Sozialdemokraten keinen Grund zur Freude. Ähnlich sah es in Wales aus.

Die nächste Parlamentswahl in Großbritannien findet regulär zwar erst 2029 statt. Die Gewinne auf kommunaler und regionaler Ebene von Farages Partei sind aus Sicht des politischen Direktors des Meinungsforschungsinstituts Ipsos allerdings schon jetzt „äußerst bedeutsam“. An den jetzigen Ergebnissen zeichne sich eine breite Unterstützung nicht nur in Gegenden mit vielen Brexit-Befürwortern ab, es gebe auch „landesweite Unterstützung“.

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