Putin ruft nach Schröder

von Redaktion

Putins Parade fand störungsfrei statt. © EPA

Betete für Frieden: So-yeon Schröder-Kim. © Instagram

Kreml-Chef und Kanzler: Wladimir Putin und Gerhard Schröder (re.) kennen sich lange. © Alexei Druzhinin/dpa

Berlin/Moskau – Ohne die Saunageschichte geht es nicht: Gerhard Schröder, damals noch Bundeskanzler, saß einmal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Sauna, als dort ein kleines Feuer ausbrach. Schnell raus hier, habe der Russe seinem deutschen Staatsgast signalisiert, so erzählte es Schröder später. Doch er habe darauf bestanden, zuerst sein Bier auszutrinken. Ein Mann, der nicht gleich wegrennt, wenn es heiß wird – das habe Putin gefallen, glaubt der Ex-Kanzler von der SPD, der später auch für russiche (Staats-)Konzerne tätig war .

Nun hat Kremlchef Putin den seit Langem befreundeten Altkanzler Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. Obwohl sich die USA um Vermittlung bemüht hätten, könne er sich von europäischer Seite den früheren SPD-Chef vorstellen, sagte Putin. „Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen.“

In der Bundesregierung stoßen Putins Aussagen auf Skepsis. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, man habe die Äußerungen zur Kenntnis genommen. Sie reihten sich ein in eine Serie von Scheinangeboten und seien Teil der bekannten hybriden Strategie Russlands. „Deutschland und Europa lassen sich dadurch aber nicht spalten.“

Europa und die USA hätten eingespielte Verhandlungsteams, hieß es in Regierungskreisen weiter. Die Ukraine stehe gemeinsam mit der Gruppe der E3 – das sind Deutschland, Frankreich und Großbritannien – für Gespräche stets zur Verfügung. „Europa muss mit am Tisch sitzen. Dafür müssen aber die Bedingungen stimmen.“ Zwischen Kiew und Moskau gab es Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs bisher unter Vermittlung der USA, die Europäer saßen nicht mit am Tisch – auch weil der Kreml das ablehnte.

SPD-Außenpolitiker fordern dagegen, den Kreml-Vorschlag nicht sofort abzulehnen. „Jedes Angebot muss ernsthaft geprüft werden, wie verlässlich es ist“, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic, dem „Spiegel“. Ähnlich äußerte sich der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner. „Ich begrüße jede Initiative, die den Krieg beenden könnte.“ Bislang sei Europa nicht an den Verhandlungen beteiligt und könne keine Vorschläge machen. „Wenn das über jemand wie Schröder gelingen würde, wäre es fahrlässig, das auszuschlagen.“

Das Büro des Altkanzlers teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, Schröder werde sich zu dieser Frage nicht äußern. Putin hatte auch gesagt, es brauche jemanden als Vermittler, der bisher nicht mit Gemeinheiten gegenüber Russland aufgefallen sei. Schon kurz nach Kriegsbeginn war Söder im März 2022 einmal für Gespräche mit der russischen Seite nach Moskau gereist. Im Gedächtnis blieb vorrangig das Bild seiner im Hotelzimmer für Frieden betenden Frau, das sie selbst veröffentlicht hatte. Der Krieg ging weiter.

Putin betonte, dass eine friedliche Lösung des Konflikts Sache der Ukraine und Russlands sei. „Aber wenn jemand helfen möchte, sind wir dafür dankbar.“ Er sagte auch, er glaube, dass sich der Krieg dem Ende zuneige.

Angesichts einer von US-Präsident Donald Trump vermittelten dreitägigen Waffenruhe konnte Putin seine Militärparade am Samstag störungsfrei durchziehen. Russland feiert am 9. Mai traditionell den Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Wegen der gespannten Sicherheitslage – und möglicherweise auch wegen des kriegsbedingt reduzierten Arsenals – gab es nicht die übliche Waffenschau mit Panzern, Raketen und anderer Militärtechnik. Die befürchteten Drohnenangriffe von ukrainischer Seite blieben aus.HOR/DPA

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