München – Vor rund fünf Jahren nahm die Karriere des CSU-Politikers Christian Schmidt einen Verlauf, der nicht unbedingt ein typischer Karriereschritt war. Schmidt, davor Bundeslandwirtschaftsminister, wurde der Hohe Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegovina. Ein Amt, das sperrig klingt, aber weitreichende Befugnisse mit sich bringt. Denn der Hohe Repräsentant ist in Bosnien ein mächtiger Mann, der unabhängig von Regierungen Gesetze erlassen und Amtsträger entlassen kann – jedenfalls galt das, solange er die Amerikaner hinter sich wusste, die seine Entscheidungen mit der nötigen Durchsetzungsmacht absicherten.
Nun hat Schmidt seinen Rücktritt angekündigt. Und es heißt, dass eben diese amerikanische Durchsetzungsstärke etwas damit zu tun habe – dieses Mal zu Schmidts Ungunsten.
„Ich habe mich unter den obwaltenden politischen Umständen und schweren Herzens entschieden, meine Arbeit in Bosnien-Herzegovina in absehbarer Zeit nach fünf anstrengenden Jahren nicht mehr fortzusetzen“, erklärt Schmidt am Montag gegenüber unserer Zeitung. „Dies nicht, weil schon alle Arbeit erledigt wäre“, schiebt er vielsagend nach. Bis ein Nachfolger gefunden ist, will er sein Amt zunächst weiter ausführen.
Er sagt es nicht. Doch dass sein Rücktritt auf Druck aus Washington zustande kam, scheint mehr als nur ein Gerücht zu sein.
Spätestens seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus weht ein neuer Wind aus Washington auch über den Balkan. Jahrzehntelang zuständige Ansprechpartner im State Department – dem US-Außenministerium – wurden ersetzt durch neue Mitarbeiter, die dem Vernehmen nach besonderes Interesse an guten Deals zeigen. So landete zuletzt der Auftrag für ein zuvor lange umkämpftes Pipeline-Projekt von Kroatien nach Bosnien auf umstrittene Weise in Windeseile bei einer US-Firma, deren Führungspersonal enge Verbindungen zu Trump pflegt, wie die „FAZ“ berichtet. Von der EU sei dabei nicht mehr gekommen, als ein „lauwarmer Protestbrief“.
Washington setzt offenbar zunehmend auf den bosnisch-serbischen Politiker Milorad Dodik, der die Abspaltung des serbischen Landesteils RS vom bosnischen Staat betreibt. Dodik war im Sommer 2025 von einem Gericht in Sarajevo wegen seiner separatistischen Aktivitäten als RS-Präsident abgesetzt worden. Als Vorsitzender der Regierungspartei SNSD gilt er aber weiterhin als „starker Mann“ des serbischen Landesteils. Die Trump-Administration hat die von der vorangegangenen US-Regierung verhängten Sanktionen gegen Dodik und seine Angehörigen aufgehoben. Gleichzeitig ist Dodik kein Freund des Hohen Vertreters aus Deutschland. Mit seinen Vollmachten hatte Schmidt zahlreiche Gesetze der RS annulliert, die die Abspaltung einleiten sollten.
Schmidt erkennt nun eine drohende Gefahr. „Meine Sorge gilt der Gefahr der Abspaltung des multiethnischen serbisch dominierten Teils Bosniens“, sagt er. „Immer stärker agieren Kräfte in diese Richtung.“ Doch: „Wer im Balkan auf Grenzverschiebungen oder neue Staaten als Beruhigungsmittel setzt, riskiert gerade das Gegenteil“, warnt er.SEBASTIAN HORSCH