FW-Chef Aiwanger äußerte sich zum ESC. © Ziebe/WDR
München – Der Eurovision Song Contest feiert in diesem Jahr sein 70. Jubiläum – und ist politisch wie nie. In der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ diskutierten am Montagabend Politiker, Journalisten und Künstler über Boykottaufrufe gegen Israel, Toleranz und die Frage, welche Rolle der Wettbewerb heute eigentlich noch spielt. Unter dem Titel „Mehr als Musik – wie politisch ist der ESC?“ begrüßte Louis Klamroth Sängerin Katja Ebstein, Bayerns stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger, den „SZ“-Journalisten Ronen Steinke, Autorin Maria Popov und FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sowie aus Wien zugeschaltet die ARD-Podcaster Caro Worbs und Miguel Robitzky.
Freie-Wähler-Chef Aiwanger bekannte, kein großer ESC-Fan zu sein. Aus seiner Sicht habe sich der Wettbewerb zu weit von der Musik entfernt. Statt musikalischer Qualität dominierten „Klamauk“ und politische Botschaften. Viele „Normalbürger“ könnten mit den schrillen Inszenierungen nichts mehr anfangen, sagte Aiwanger. Besonders Auftritte wie der der Drag-Künstlerin Conchita Wurst seien für ihn ein Beispiel dafür, dass es beim ESC zunehmend um Haltung statt um Musik gehe.
Mit dieser Kritik hatte Aiwanger die Runde schnell gegen sich. Die deutsch-bulgarische Journalistin Maria Popov warf ihm vor, die Darbietung queerer Künstler als Klamauk abzutun. Ronen Steinke konterte Aiwanger: „Normal und nicht normal ist eine Kategorie, die nur in Ihrem Kopf existiert.“ Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann verteidigte den ESC als internationales Symbol für Offenheit und Toleranz. Gerade die Vielfalt der Künstler mache den Reiz aus. Der ESC sei „völkerverbindend“.
Die Diskussion eskalierte mehrfach. Als Aiwanger kritisierte: „Wir würden das überbewerten, wenn man dem ESC zubilligen würde, die Demokratie Europas retten zu müssen“, konterte Strack-Zimmermann: Aiwanger sei „weiß Gott nicht der Maßstab für Vernunft“. Moderator Louis Klamroth musste immer wieder eingreifen. Unterstützung erhielt Aiwanger nur in einem Punkt von Sängerin Katja Ebstein: Beide bedauerten, dass fast nur noch auf Englisch gesungen werde. Grundsätzlich verteidigte Ebstein den ESC jedoch leidenschaftlich.
Ein weiteres großes Thema war der Streit um Israels Teilnahme am ESC. Mehrere Länder boykottieren den Wettbewerb deshalb. Trotz seiner grundsätzlichen Kritik sprach sich auch Aiwanger klar gegen einen Ausschluss israelischer Künstler aus. Kunst solle möglichst frei von politischer Einflussnahme bleiben, betonte er.
Am Ende der Sendung wurde der Ton versöhnlicher. Beim deutschen Beitrag herrschte sogar Einigkeit. Selbst Aiwanger lobte ihn.CJM