In Würzburg beginnt am Mittwoch der Katholikentag. © dpa
Würzburg – In der Frankenmetropole Würzburg schlägt vom 13. bis 17. Mai das Herz der deutschen katholischen Kirche: Zum 104. Katholikentag werden am Main rund 30.000 Teilnehmer erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) und natürlich der Ministerpräsident des gastgebenden Bayern, Markus Söder (CSU), kommen zum Austausch mit den Katholiken. Gegenwind ist auch angekündigt: Merz muss sich am Freitag auf Proteste von jungen linken Gruppen einstellen.
Vielleicht macht sich der Kanzler das Motto des Katholikentags zu eigen: „Hab Mut, steh auf“, lautet es. Könnte auch als ein Weckruf an die Regierung verstanden werden, die Reformen anzupacken. Irme Stetter-Karp erwartet als Präsidentin des Veranstalters „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ ein spannendes Treffen mit Diskussionen, 300 Kulturveranstaltungen und 60 Gottesdiensten. AfD-Politiker sind bewusst nicht vertreten.
Nicht nur den Politikern gilt der Appell „Hab Mut“: Stetter-Karp versteht ihn auch als Ermutigung an die Laien und die Bischöfe. Im Gespräch mit unserer Zeitung fordert sie Mut zur Veränderung – etwa in der drängenden Frauenfrage in der Kirche. Hier sieht sie eine besondere Anforderung an die Bischöfe, den Dialog aufrechtzuerhalten. Gleichermaßen bei der Debatte über die Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. Stetter-Karp rät zu Gelassenheit. „Wir haben bei der Handreichung im Blick gehabt, dass es keine Verwechslung mit dem Ehesakrament geben soll“, sagt sie. „Insofern sehe ich keinen Grund, dass wir jetzt was zurücknehmen.“ Papst Leo habe auch betont, dass er in der Linie seines Vorgängers Franziskus bleibe. Und der habe erklärt, dass alle, die das wünschen, Segen erfahren dürfen. „Ein Papst hat die Aufgabe, die Weltkirche zusammenzuhalten mit ihren verschiedenen Kontexten. Das verstehen wir in Deutschland gut. Unter diesem Gesichtspunkt nehmen wir mit großer Wertschätzung wahr, dass Vielfalt akzeptiert und keine Verbote ausgesprochen werden. Der Papst weiß nur zu genau, welchen Schaden das in der Seelsorge anrichten würde.“ Ein Thema, das auch den Katholikentag berührt.
Ebenso wie die Frage, ob es ein katholisches Rezept gegen die Frustrationen der Krisen gibt. „In solchen Extremsituationen kostet es Kraft, nicht in Angst zu erstarren, sondern Wege in die Offenheit zu gestalten“, so Stetter-Karp. Als Hoffnungsträger sieht Stetter-Karp den Papst, der gegenüber US-Präsident Donald Trump eine klare Grenze ziehe. „Ich habe mich gefreut, dass er seine Stimme auch in einer Situation erhebt, in der die Mächtigen glauben, sich ungehindert mit ihren reichen Cliquen zu nehmen, was sie brauchen.“CM