Treffen ohne Augenhöhe

von Redaktion

Trump in Peking

Das Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping ist auf bemerkenswerte Weise schräg. Nicht nur wegen der pompösen Inszenierung mit Kanonenschüssen, roten Teppichen und hunderten Kindern mit Fähnchen. Sondern weil diese Begegnung gleich auf mehreren Ebenen asymmetrisch verläuft. Während Trump demonstrativ Nähe sucht, Xi Jinping mehrfach als „großartigen Anführer“ lobt und betont, es sei „eine Ehre“, sein Freund zu sein, bleibt Chinas Staatschef auffallend kühl – und warnt sogar vor einem offenen Konflikt mit den USA.

Die beiden Männer haben offenbar nicht dasselbe Gespräch geführt. Der US-Präsident ist nach Peking gereist, weil er Xi Jinpings Hilfe braucht: nicht nur im Iran-Krieg, der völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Sondern auch, um die Gunst der Wähler im eigenen Land zurückzugewinnen. Nur wenige Monate vor den Midterm-Wahlen steht es denkbar schlecht um Trumps Beliebtheitswerte – China soll das nun mit milliardenschweren Kaufzusagen richten.

Xi hingegen geht es vor allem um eines: Taiwan. Die Eingliederung des Inselstaats in die Volksrepublik gilt als wichtigste Mission seiner Amtszeit. Für die USA als Schutzmacht wiederum ist Taiwan zwar ein wichtiger Bestandteil jener Inselkette, die China den Zugang zum Pazifik erschwert – zugleich aber nur eine Baustelle von vielen. In Taipeh wächst deshalb die Sorge, Trump könnte Taiwan für Deals mit Peking opfern. Sein Schweigen zu dem Thema dürfte dort ohrenbetäubend wirken.

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