Trumps Charmeoffensive in Peking

von Redaktion

Angespannter Kurztrip: Zwei Tage lang ist Trump in Peking. Hier ist er mit Xi am Himmelsaltar unterwegs. Kurz zuvor gab es eine scharfe Drohung Pekings an die USA. © Schiefelbein/dpa

Taipeh/Peking – Als Donald Trump aus der Air Force One steigt und chinesischen Boden betritt, warten auf dem Rollfeld dutzende Kinder in hellblauen Uniformen auf ihn. Im Takt schwenken sie chinesische und amerikanische Fähnchen. Trump bleibt kurz stehen, grinst, ballt die Faust. Dann verschwindet er im „Beast“, jener schwer gepanzerten schwarzen Limousine, die ihn auf allen Reisen begleitet.

Schon jetzt ist der Besuch historisch. Fast zehn Jahre lang hat kein US-Präsident mehr China betreten. Der letzte war: Donald Trump. 2017, während seiner ersten Amtszeit, reiste er schon einmal nach Peking. Damals verlangte er von Xi Jinping, Nordkorea zur nuklearen Abrüstung zu zwingen. Erfolglos, wie man heute weiß.

Nun ist Trump auf einer ähnlichen Mission unterwegs. Doch diesmal soll China auf den Iran einwirken. Der innenpolitische Druck in den USA ist enorm. Seit Beginn des Iran-Krieges steigen die Energiepreise, die Inflation liegt so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr, und Trump ist so unbeliebt wie nie zuvor. Umfragen zufolge unterstützt nur noch gut ein Drittel der Amerikaner seine Politik.

Von Peking erhofft sich Trump deshalb Hilfe bei der Deeskalation im Nahen Osten – sowie Zusagen für den Kauf amerikanischer Waren: Boeing-Flugzeuge, Agrarprodukte, Öl und Flüssigerdgas. Seine Delegation besteht aus einigen der mächtigsten Superreichen der Welt, darunter Apple-Chef Tim Cook, Tesla-Gründer Elon Musk und Nvidia-Boss Jensen Huang. „Brillante Menschen“, wie Trump sagt, die in China ihre „Magie entfalten“ sollen.

„Sie sind ein großartiger Anführer. Ich sage das jedem“, lobt Trump seinen chinesischen Amtskollegen, als die beiden in der Großen Halle des Volkes am Tiananmen-Platz eintreffen. „Manche Leute mögen es nicht, wenn ich das sage, aber ich sage es trotzdem, weil es wahr ist.“

Xi Jinping bleibt deutlich nüchterner. Er ruft China und die Vereinigten Staaten dazu auf, „Partner statt Gegner“ zu sein. Beide Länder müssten gemeinsam daran arbeiten, ihre Beziehung „in die richtige Richtung“ zu lenken.

China hat völlig andere Prioritäten als die USA. Zwei Stunden und 15 Minuten sprechen die beiden wohl mächtigsten Männer der Welt hinter verschlossenen Türen miteinander. Aus Peking heißt es anschließend, es sei dabei vor allem um Taiwan gegangen. Xi bezeichnet die Insel als „das kritischste Thema“ zwischen China und den USA – und schiebt eine scharfe Drohung hinterher: Ein falscher Umgang mit der Taiwan-Frage könne die amerikanisch-chinesischen Beziehungen in eine „äußerst gefährliche Situation“ bringen.

Konkret fordert Xi, dass die USA ihre militärische Hilfe für Taiwan kürzen oder zumindest verzögern. Peking beansprucht die demokratisch regierte Insel für sich und hat mehrfach erklärt, eine Vereinigung notfalls mit Gewalt zu erzwingen. Als Trump nach dem Treffen von Journalisten auf Taiwan angesprochen wird, ignoriert er die Fragen – während er sich Schulter an Schulter mit Xi Jinping vor den Kameras positioniert.

Doch es gibt auch Zugeständnisse an die USA. Als Geste des guten Willens hat Peking etwa hunderten amerikanischen Schlachthöfen die Erlaubnis erteilt, wieder Rindfleisch nach China zu exportieren. Später, beim Staatsbankett, hält Xi Jinping eine Rede: „Wir können einander dabei helfen, erfolgreich zu sein und das Wohlergehen der ganzen Welt voranzubringen.“ Trump entgegnet, die beiden Länder hätten viel gemeinsam: Chinesen würden Basketball lieben und Blue Jeans tragen. Es klingt fast so, als reiche das für eine Versöhnung.

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