Der Kanzler mit einem Schal des Katholikentages. © dpa
Würzburg – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) würde seinen Kindern derzeit von einem Aufenthalt in den USA abraten. Grund sei das „gesellschaftliche Klima“, das sich in den Vereinigten Staaten „plötzlich“ entwickelt habe, sagte Merz am Freitag beim Deutschen Katholikentag in Würzburg. „Also, ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten.“
Merz stellte sich beim Katholikentag in einer Diskussionsrunde den Fragen junger Menschen. Dabei betonte er mit Blick auf die USA: „Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas, meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu.“ Er verwies auch auf die Berufs- und Karrierechancen in den Vereinigten Staaten. „Die Frage, was gut ausgebildete junge Menschen erreichen können, die ist bis vor Jahr und Tag in Amerika noch ganz anders beantwortet worden als heute.“ Heute hätten „die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten, einen Job zu finden“.
Der erklärte Transatlantiker Merz hat sich zuletzt mehrfach von den USA und insbesondere der Politik der Regierung von Präsident Donald Trump distanziert. In einem Gespräch mit Schülern attestierte er Washington im April, „offensichtlich keine Strategie“ im Iran-Krieg zu haben, das habe gravierende Folgen. Es werde „eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“.
Anders als damals, als Donald Trump mit neuerlichen Zöllen reagierte, hat die (vergleichsweise kleine) Spitze diesmal keine unmittelbaren Konsequenzen. Merz telefonierte am Freitag mit Trump während dessen Rückreise aus China. Es sei ein „gutes Telefonat“ gewesen, teilte der Kanzler mit. Er betonte Übereinstimmungen zum weiteren Vorgehen in der Iran-Frage. Auch der Ukraine-Krieg und die Nato waren Thema.
In Würzburg störten Klima-Aktivisten die Podiumsdiskussion mit Merz durch Zwischenrufe und Pfiffe. Die mehr als 1000 Zuhörer im Saal verfolgten die Szenerie zunächst geduldig, forderten die vier Protestierenden dann aber auf zu gehen. Sicherheitskräfte zogen eine Frau aus dem Saal, eine weitere Aktivistin folgte freiwillig. Die Veranstaltung konnte fortgesetzt werden.