Im Landtag. Aber im anderen. Ministerin Theresa Schopper spricht in einer Plenarsitzung in Baden-Württemberg. Unten: Benedikt Kuhn (Hessen), Martina Klement (Brandenburg), Ute Eiling-Hütig (Rheinland-Pfalz). © Fotos: dpa
München – Als Theresa Schopper den ersten herausgehobenen Polit-Posten bekommen sollte, fragte sie ihren damaligen Chef etwas verdutzt: „Du, ich bin ja gar nicht von hier?“ Winfried Kretschmann antwortete gelassen: „Das macht nichts. Aber du kannst es.“ Also wurde Schopper Staatssekretärin, dann Staatsministerin, später Kultusministerin und nun, vor einigen Tagen, Bauministerin. Als Bayerin. In Baden-Württemberg. Sehr ungewöhnlich.
Denn Schopper war ein Jahrzehnt Landesvorsitzende der Grünen in Bayern, 14 Jahre Landtagsabgeordnete in München. Weil sich in Bayern in jener Zeit nicht der Hauch einer Machtperspektive bot, nicht die Chance eines Auswegs aus der ewigen Opposition, wechselte Schopper 2014 nach Baden-Württemberg. Zunächst als Beamtin in der Regierungszentrale dort, mehr als einen solchen Posten hatte sie auch gar nicht erwartet – aber später dann auch als Politikerin.
„Die haben mich mit offenen Armen aufgenommen“, erzählt Schopper heute. Ein heiteres Lächeln mal, wenn sie im Landtag in Stuttgart in sehr bairischem Dialekt ans Pult trat. Aber keine Geringschätzung, eher Respekt, weil Bayern im Föderalismus als Rivale auf Augenhöhe geschätzt wird. In der Politik, in der Pfründe, Herkunft, Machtbasis zählen und Politiker innerhalb von Parteien beinhart um Posten kämpfen, ist so ein friedlicher Quereinstieg ungewöhnlich.
Was vielleicht half: Schopper war nicht allein, sondern Teil des bayerischsten Landeskabinetts außerhalb Bayerns. Bis vor Kurzem war ihr Parteifreund Manfred Lucha Sozialminister im Ländle, unüberhörbar Oberbayer und 1979 Gründungsmitglied der weißblauen Grünen. Er zog aber schon wenige Jahre später nach Baden-Württemberg. Und zumindest formal gehört Danyal Bayaz, alter und neuer Finanzminister, in die Bayern-Riege: Zwar in Heidelberg geboren und aufgewachsen, hat aber kraft Eheschließung (mit der hiesigen Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze) nach Artikel 6 der Verfassung die bayerische Staatsbürgerschaft. Das aber eher als Fußnote.
Tatsächlich gibt es bundesweit noch zwei, drei Bayern in anderen Landesregierungen. Ein unauffälliger, aber inhaltlich spektakulärer Wechsler regiert derzeit in Hessen. Benedikt Kuhn, Jahrgang 1986, ist dort seit 2024 Chef der Staatskanzlei und einer der engsten Vertrauten des Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU). Kuhn war Rhein empfohlen worden als der wichtigste Stratege der CSU im Bundestag, Stabschef der Landesgruppe und enger Dobrindt-Mitarbeiter. Der CSU-Mann wagte den Sprung nach Wiesbaden, ist jetzt dort Staatssekretär.
Als „bayerischer Amigo“ musste sich Kuhn anfangs im hessischen Landtag von der FDP beschimpfen lassen. Es ging um seinen Quereinstieg auf Besoldungsstufe B10 (186.000 Euro pro Jahr). Der schimpfende Abgeordnete entschuldigte sich später. Inzwischen wird der importierte Staatssekretär in Hessens Politszene respektiert als strategischer Kommunikator. „Der PR-Experte aus der CSU“, titelt die FAZ anerkennend und beschreibt Kuhn als strikt loyalen, strategisch unverzichtbaren Co-Architekten der schwarz-roten Koalition. In Kuhns Büro hängen übrigens Bilder von zwei Löwen. Wappentiere – von Bayern. Und Hessen.
Was kaum bekannt ist: Auch Brandenburg hat jetzt eine CSU-Ministerin. Martina Klement (45) ist seit März Ministerin für Wirtschaft, Klima, Europa in der rot-schwarzen Koalition. Auch die Donauwörtherin kommt aus dem Mitarbeiterstab der CSU-Landesgruppe. Klement war außerdem drei Jahre lang Staatssekretärin für Verwaltungsmodernisierung bei Berlins Bürgermeister Kai Wegner. Damals erklärte sie die Vorteile des Quereinstiegs in die als verkrustet gefürchtete Verwaltung recht charmant: „Ich wusste nicht, wer sich mit wem seit Jahren nicht verstand – und konnte deshalb offen an die Themen rangehen.“ Als Klement nach Brandenburg weiterzog, weinte ihr sogar die SPD nach.
Nun also noch Ute Eiling-Hütig (CSU), die für die CDU in Rheinland-Pfalz heute als Schulministerin vereidigt wird. Können solche Wechsel auch richtig schiefgehen? Export-Minister starten im Gastland ohne Hausmacht, ohne Mandat, sind also auch einfacher als andere gefeuert. Schopper, die Bayerin in Stuttgart, hatte diese Sorge nie. Und bereut nichts. „Das Leben kommt manchmal anders, als man denkt“, sagt sie fröhlich. Der Wechsel ins Ländle „war das Beste, was mir passieren konnte“.