Scientology in Bayern unter Beobachtung

von Redaktion

Promi-Gesicht von Scientology: US-Schauspieler Tom Cruise. © dpa

München – Von Scientology geht nach Ansicht des evangelischen Sekten-Experten Matthias Pöhlmann nach wie vor eine Gefahr aus. Laut Medienberichten vom Freitag hat das Bundesamt für Verfassungsschutz jedoch die planmäßige Beobachtung der „Scientology Kirche Deutschland“ eingestellt (wir berichteten). Scientology teilte am späten Freitagabend mit, man begrüße die Einstellung der Beobachtung der eigenen Organisation durch das Bundesamt für Verfassungsschutz – auch wenn man selbst bisher nur aus den Medien davon wisse. Das bayerische Innenministerium teilte am Samstag mit, dass das dortige Landesamt für Verfassungsschutz „bis auf Weiteres“ an der Beobachtung festhält.

Sekten-Experte Pöhlmann sagte, Scientology verfolge weiter totalitäre und verfassungsfeindliche Ziele. Das Ende der Beobachtung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz sei angesichts der merklich gesunkenen öffentlichen Wahrnehmung von Scientology zwar erwartbar gewesen. Gleichwohl sei die „Scientology Kirche Deutschland“, wie sich der eingetragene Verein offiziell nennt, nach wie vor gefährlich und antidemokratisch.

Seinen Deutschland-Hauptsitz hat Scientology in München. Pöhlmann sagte, bundesweit habe Scientology seit Jahren unverändert um die 3600 Mitglieder, rund 1300 davon in Bayern. Inzwischen trete die Organisation öffentlich nur noch selten unter ihrem eigentlichen Namen auf. Der Schwerpunkt der Arbeit liege inzwischen auf „Neben- und Tarnorganisationen“, wie zum Beispiel die „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ oder auch die beiden Kampagnen „Sag Nein zu Drogen, Sag Ja zum Leben“ oder „Der Weg zum Glücklichsein“, erläuterte Pöhlmann.

Die Entscheidung des Bundesamtes für Verfassungsschutz erwecke „den gefährlichen Eindruck“, als sei Scientology eine Weltanschauungsgemeinschaft wie andere, sagte Pöhlmann, der Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen bei der bayerischen evangelischen Landeskirche ist. Es sei aber nach wie vor so, dass Scientology viele seiner Mitglieder in enorme psychische und finanzielle Abhängigkeiten stürze: „Diese Organisation missachtet unter anderem das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung massiv.“ Im bayerischen Verfassungsschutzbericht für 2025 heißt es: „Die ‚Scientology-Organisation‘ (SO) ist eine international agierende Organisation, die auf finanzielles Gewinnstreben ausgerichtet ist und ein weltweites, unumschränktes Herrschaftssystem nach eigenen Vorstellungen errichten möchte.“ An die Stelle des Demokratieprinzips und der Grundrechte soll ein „auf Psychotechnologien und bedingungsloser Unterordnung der Individuen beruhendes totalitäres Herrschaftssystem unter scientologischer Führung treten“.

Artikel 4 von 11