Platz 23 für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Wien – das nächste Debakel. Das wirklich Traurige an der Pleite der bedauernswerten Sarah Engels ist jedoch nicht das Ergebnis, sondern die chronische Mutlosigkeit der ARD-Verantwortlichen. Deutschland singt heute so, wie große Teile des Landes verwaltet werden: verzagt, bürokratisch, rückwärtsgewandt.
Unser Song „Fire“ klang wie aus der Pop-Mottenkiste von 2006 statt nach dem Sound von 2026. Der SWR ist sehenden Auges ins Unglück gelaufen. Dass dieser triste Beitrag baden gehen würde, ahnten fachkundige ESC-Fans nach dem ersten Hören. Da half auch die Routine einer Sarah Engels nichts – die ehrlicherweise seit 15 Jahren keinen Top-10-Hit mehr im eigenen Land geschafft hat.
Die Parallelen zur deutschen Politik springen ins Auge: Man verwaltet den Mangel, scheut jedes Risiko und wundert sich über den Absturz. Wie es richtig geht, zeigte Sieger Bulgarien. Der Beitrag war mitreißend, jung, frisch, hatte Mut zur Albernheit und bot eine selbstironische, lässige Inszenierung. Nun singt ganz Europa „Bangaranga“.
In Deutschland beginnt wieder die alljährliche Debatte: Sollten wir überhaupt noch mitmachen? Frei nach Christian Lindner: „Lieber nicht singen als schlecht singen.“ Doch ein Rückzug vom ESC, der jedes Jahr über 160 Millionen Menschen verbindet, wäre grundfalsch. Denn Deutschland scheitert nicht daran, dass es Deutschland ist – sondern an verkrampften Beiträgen, die niemanden begeistern. Solches Mittelmaß ist beim Song Contest chancenlos, siehe Abonnement-Sieger Schweden, der diesmal bis auf Platz 20 durchgereicht wurde. Deutschland braucht Mut, Aufbruch, Kreativität – in der Politik und beim Singen.KULTUR@OVB.NET