Der Machthaber spricht vor Militärvertretern. © AFP
Seoul – Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat Staatsmedien zufolge Militärvertreter seines Landes angewiesen, die Grenze zu Südkorea massiv zu verstärken. Bei einem Treffen mit ranghohen Kommandeuren sprach Kim über die „Politik der territorialen Verteidigung“ seiner kommunistischen Regierungspartei, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag berichtete. Diese zielt demnach darauf ab, „die Einheiten an der Frontlinie an der südlichen Grenze zu stärken und die Grenze in eine uneinnehmbare Festung zu verwandeln“.
Ein von KCNA veröffentlichtes Foto zeigt Kim vor Kommandeuren in Paradeuniform. KCNA zufolge sprach Kim ihnen gegenüber von einer „großen Veränderung“, um einen Krieg abzuwenden. Die Kommandeure sollten demnach ihre „Haltung gegenüber dem Erzfeind“ schärfen, sagte Kim offenbar unter Anspielung auf Südkorea. Dem Bericht zufolge erörterte Kim mit den Armeevertretern „Pläne zur Stärkung der Fronttruppen und anderer wichtiger Einheiten in militärisch-technischer Hinsicht als wichtige Entscheidung zur effektiveren Kriegsabwehr“. Projekte zur Modernisierung des Militärs sollten „beschleunigt werden, um das Einsatzkonzept in allen Bereichen neu zu definieren“, wurde Nordkoreas Machthaber zitiert.
Das Treffen mit den Armeevertretern erfolgte vor dem Hintergrund einer verschärften Haltung gegenüber Südkorea. Kim bezeichnete Südkorea im März als „den uns am meisten feindlich gesinnten Staat“. In den vergangenen Jahren ließ die Führung in Pjöngjang bereits Straßen und Eisenbahnlinien, die es mit dem Süden verbanden, zerstören und ließ Barrieren nahe der Grenze errichten. Zuletzt rief Südkoreas Präsident Lee Jae Myung zu Gesprächen mit dem Norden auf, um „die Blume des Friedens zum Blühen zu bringen“. Nordkorea ging aber nicht auf das Gesprächsangebot ein.
Dem Experten Hong Min vom Korea Institute for National Unification zufolge spiegeln Kims Anweisungen Erfahrungen aus dem Krieg Russlands gegen die Ukraine wider. Dazu gehören ihm zufolge „Drohnenkriegsführung, Präzisionsangriffe, hybride Kriegsführung und mehrdimensionale Schlachtfelder, wie sie im Ukraine-Krieg und in den Konflikten im Nahen Osten zu beobachten sind“. Kims Pläne deuteten zudem auf ein „multidimensionales Einsatzkonzept“ hin, sagte er.
Nordkorea und Russland sind seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine vor mehr als vier Jahren enger zusammengerückt. Pjöngjang hat Truppen und Waffen für den Krieg in der Ukraine nach Russland geschickt. Zudem entsandte Pjöngjang nach Angaben der Geheimdienste Südkoreas und westlicher Staaten tausende Soldaten, die an der Seite der russischen Armee kämpfen.