Wer eine kircheninterne Regierungserklärung von Papst Leo XIV. erwartet hatte, könnte am Pfingstmontag enttäuscht gewesen sein. Der Pontifex wählte für sein erstes Lehrschreiben den größeren Wurf angesichts der komplexen Probleme in der Welt. Er konzentrierte sich auf die revolutionäre Veränderung auf dem Globus durch die Künstliche Intelligenz.
In der 100-seitigen Abhandlung mit dem Titel „Magnifica Humanitas“ (Großartige Menschheit) geht es dem Kirchenoberhaupt um die Wahrung der Menschenwürde und die Betonung eines moralischen Kompasses. Das betrifft die Arbeitswelt und den Alltag der Menschen ebenso wie das Agieren der Tech-Giganten oder die Kriegsparteien auf der ganzen Welt. Papst Leo macht klar, dass die Kirche sich selbstverständlich zu den Fragen und Themen der Zeit äußern darf und muss. Das ist die klare Antwort auf die Attacken von US-Präsident Donald Trump, der dem Papst das Recht auf politische Äußerungen absprechen will.
Alle, die ungeduldig auf klärende Worte zu innerkirchlichen Reformen, Ämterdebatte oder zur Machtfrage warten, können sich vielleicht etwas entspannen angesichts der Schwerpunkt-Setzung des Papstes. „Es gibt Wichtigeres als die Sexualmoral“, hat er kürzlich gesagt. Damit hängt er dieses Themen betont tief, um den innerkirchlichen Streit herunterzukühlen. Keine schlechte Strategie.CLAUDIA.MOELLERS@OVB.NET