Anstrengungsloser Wohlstand

von Redaktion

Immer mehr Superreiche

Guido Westerwelle sorgte einst für Aufregung, als der damalige FDP-Chef Empfängern von Sozialleistungen „anstrengungslosen Wohlstand“ vorwarf. Angesichts der neuen Statistik, wonach in Deutschland die Zahl der Superreichen mit mehr als 100 Millionen US-Dollar Vermögen in nur einem Jahr um 1100 Personen gestiegen ist, muss man feststellen: Der „anstrengungslose Wohlstand“ ist wohl eher ganz oben als ganz unten in der Gesellschaft zu finden. Denn diese enorme Reichtumssteigerung fußt vornehmlich auf dem Aktienboom und nicht auf grandiosen unternehmerischen Entscheidungen.

Wer jetzt argumentiert, solch eine Neiddebatte bringe doch nichts, sollte bedenken: Diese rund fünftausend Superreichen in Deutschland besitzen mehr als ein Viertel des gesamten Finanzvermögens in der Bundesrepublik. Das sich immer mehr verschärfende Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich bedroht das Erfolgsmodell Deutschland, das auf den Schultern der (arbeitenden) Mitte ruht. Bei all den Debatten über Zumutungen an den Mittelstand kann die schwarz-rote Regierung an diesen oberen Fünftausend nicht vorbei. Für Erwerbstätige ist Deutschland mit seinem Spitzensteuersatz von 45 Prozent ein Hochsteuerland – für Multimilliardäre, die ihr Geld arbeiten lassen können, liegt der effektive Steuersatz nur bei 28 Prozent. Laut einer Studie des Netzwerks Steuergerechtigkeit zahlen sie bei uns weniger Abgaben als in der Schweiz.

Es sind ja nicht irgendwelche Sozialisten, sondern Superreiche wie Bill Gates, die eine deutlich härtere Besteuerung von Vermögenden einfordern. Der Microsoft-Gründer propagiert das nicht als Ablasshandel für sein Seelenheil. Vielmehr ist er überzeugt, dass Staaten, nicht Privatpersonen, dieses Geld brauchen, um durch Bildungsinvestitionen und Klimaschutz die Welt zu verbessern.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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