Da herrscht in der Politik endlich mal Konsens, schon platzt eine Studie hinein und trübt die schöne Eintracht. Ausgerechnet bei der Rente, einem der explosivsten Punkte der Reformagenda, gerät eine Grundannahme ins Wanken. Menschen mit guter Ausbildung, etwa einem Hochschulabschluss, kommen auf die mit Abstand längste Lebensarbeitszeit. Bei Politik und Gewerkschaften ist die Logik umgekehrt: Wer erst spät von der Uni kommt, muss halt länger bis zur Rente warten.
Das ist aus vielen Gründen holzschnittartig gedacht. Weder fallen Pausen durch Kindererziehung ins Gewicht noch Krankheit oder Fortbildung. Die Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung stellt nun noch einen ganz anderen Aspekt in den Fokus. Wer besser ausgebildet ist, hat sicherere Jobs – und arbeitet darin oft erheblich intensiver.
Im Fußball gibt es den Faktor Nettospielzeit. Die kann stark variieren, selbst wenn jede Partie offiziell 90 Minuten dauert. Im Arbeitsleben ist das genauso, Teilzeit ist nicht gleich Vollzeit – außer beim Renteneintritt. In Leitungspositionen sind 50, 60, manchmal 70 Wochenstunden nicht ungewöhnlich. Von der Stechuhr werden sie häufig nicht erfasst. Vom Vorstellungsvermögen politischer Entscheider bisher auch nicht.MARC.BEYER@OVB.NET