Söder muss beweisen, dass er Teamplay kann

von Redaktion

Die CSU diskutiert über ihren Kurs

Die CSU kommt oft recht volkstümelig daher, kann aber auch ungeahnte innerparteiliche Brutalität entfalten. Große Revolutionen beginnen mitunter ganz klein: Als die Fürther Landrätin Gabriele Pauli am 18. Dezember 2006 im Vorstand Edmund Stoiber beschuldigte, er lasse sie bespitzeln, reagierten die Anwesenden mit Verärgerung bis Belustigung. Niemand hätte damals gedacht, dass der langjährige Ministerpräsident und Parteichef keine fünf Wochen später seinen Rücktritt ankündigen würde. Mit Pauli hatte das nur sehr bedingt zu tun, aber sie lieferte den Funken, um das Gemisch aus langsamem Verschleiß, mäßigen Umfragen und offenen persönlichen Rechnungen zur Explosion zu bringen.

Markus Söder, Stoibers Generalsekretär, war damals hautnah dabei. Und weil er über außergewöhnliches politisches Gespür verfügt, merkt er sicher, dass es auch heute in seiner Partei gärt. Wieder hat es im Laufe der Jahre viele Verwundungen gegeben. Wieder enttäuschen die Wahlergebnisse. Und doch bleibt es fraglich, ob sich die Geschichte wiederholt.

Klar: Von der Hauptstadtpresse bekommt Manfred Webers Brief immense Aufmerksamkeit. Der „Spiegel“ jubelt schon: „Plötzlich ist Markus Söder in der CSU nicht mehr unantastbar.“ Doch innerparteilich überraschte Webers Vorstoß eher, vor allem der Zeitpunkt. Schließlich hatte Söder eben erst in seiner Regierungserklärung einen Stilwechsel verkündet. Dieser ist zwar strategisch leicht zu durchschauen, dennoch dürften viele dem Chef noch eine Chance geben. Sie wissen: Söder ist – bei all seinen Schwächen – mit Abstand der Stärkste, wenn es um Machtkalkül, Durchsetzungskraft und Außenwirkung geht. Kann es sich die CSU leisten, den Anführer zu wechseln, wenn jetzt in Berlin über historische Sozialreformen entschieden wird?

Zudem muss es für einen Wechsel Alternativen geben. Weber selbst verfügt über wenige Truppen, gilt nach Jahrzehnten in Brüssel eher als Außenstehender. Ilse Aigner ist zwar sehr beliebt. Doch viele sehen sie in einem repräsentativen Amt wie dem der Bundespräsidentin besser aufgehoben. Alexander Dobrindt ist eher Strippenzieher denn Menschenfänger, Klaus Holetschek verfügt noch über zu wenig Strahlkraft. In der CSU erinnern sie sich gut, wie es 2007 mit dem Duo Beckstein/Huber erstmal schiefging.

Trotzdem: Söder muss erst beweisen, dass er Teamplay überhaupt kann. Zweifel sind erlaubt. Ansonsten droht bei der Herbstklausur der Fraktion im oberfränkischen Kloster Banz die große Abrechnung.

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