WIE ICH ES SEHE

Immer mehr Superreiche – und nun?

von Redaktion

In dieser Woche hat die angesehene Boston Consulting Group (BCG) wieder ihren jährlichen Bericht über die weltweite Vermögensverteilung vorgelegt. Deutschland schneidet dabei überraschend gut ab. So soll das Nettovermögen der Deutschen 20 Billionen Euro betragen, fast 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Ergebnis können sich daher nach dem Bericht 774.000 Deutsche jedenfalls in Dollar gerechnet als Millionäre bezeichnen. Man kann das als eine erfreuliche Entwicklung sehen – wenn man will.

Nun hat der Report aber auch zutage gebracht, dass es unter diesen Millionären etwa 5000 geben soll, die sogar ein Finanzvermögen von über 100 Millionen Dollar oder mehr besitzen. Und das Besondere: Deren Zahl hat allein im letzten Jahr um 1000 zugenommen. Damit liegt Deutschland mit seinen „Superreichen“ auf Platz 3 in der Weltrangliste. Vor uns haben nur die USA ( 37.000) und China (11.100) mehr solcher Hochvermögenden. Bei uns entfällt auf diese Minderheit bereits ein Viertel des gesamten deutschen Finanzvermögens.

Dass Deutschland so viele Hochvermögende hat, liegt vor allem an der Struktur der deutschen Wirtschaft. Die ist einzigartig in der Welt von großen Familienunternehmen geprägt. Sie sind der berühmte unternehmerische „Mittelstand“, der die wahre Stärke der deutschen weltweit erfolgreichen Wirtschaft ausmacht. Sehr reiche Menschen werden in diesem Land fast immer durch solches Unternehmertum reich oder dadurch, dass sie in einer der über Generationen agierenden Unternehmerfamilien geboren wurden.

Ist nun in der Vermögensverteilung alles ideal bei uns, wo gerade in der neuen digitalen Welt echtes Unternehmertum so oft belohnt wird? Das ist keineswegs der Fall. Einmal gibt es zunehmend die Tendenz zur „Finanzialisierung“ großer Vermögen. Sie wachsen durch geschickte Anlagestrategien an den Kapitalmärkten immer weiter und schaffen für die Begünstigten steigenden Wohlstand ohne Arbeit und echte Leistung. Es stimmt aber trotzdem nicht, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Denn die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt sogar einen leichten Rückgang der Vermögensungleichheit. Sie wird zuverlässig gemessen an dem sogenannten „Gini-Koeffizienten“. Der besagt außerdem, dass die Einkommen in Deutschland sehr viel gleichmäßiger verteilt sind als die Vermögen. Am Ende aber bleibt Deutschland eines der Länder mit der höchsten Vermögensungleichheit in der Eurozone.

Was Wunder, dass die Politik über „Reichensteuern“ nachdenkt. Dazu wird noch dieses Jahr das Bundesverfassungsgericht vermutlich bisherige Begünstigungen für vererbte Betriebsvermögen aufheben. So einfach wie bei Robin Hood – nehmet den Reichen und gebet den Armen – ist das alles aber nicht. Die Superreichen schaffen und fördern nicht nur die Wirtschaft, sie sind auch aktiv mit gemeinnützigen Stiftungen. US-Milliardäre wie Bill Gates und Warren Buffett haben sogar einen „Club“ gegründet, dessen Mitglieder sich öffentlich verpflichten, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu Lebzeiten oder testamentarisch für wohltätige Zwecke zu spenden. Das könnte Schule machen!

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