Der 24. Februar 2022 war der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Einer Ära, in der alte Männer denken, es gelte nun wieder das Recht des Stärkeren. Wladimir Putin, der am liebsten die alte Sowjetunion wieder aufbauen würde, überfiel die Ukraine. 2023 ließ Benjamin Netanjahu nach dem Terroranschlag vom 7. Oktober den Gazastreifen verwüsten. Und ab 2025 wollte Donald Trump nach Grönland greifen, drohte Kuba, ließ mal eben in Venezuela Präsident Nicolás Maduro festnehmen und begann einen Krieg mit dem Iran. Ganz schön viel für einen Träger des Fifa-Friedenspreises.
Blicken die Herren auf ihre Bilanz, müsste eigentlich Ernüchterung einkehren. Keiner hat seine Ziele wirklich erreicht. Allen voran Putin. Die jüngsten, besonders aggressiven Angriffe auf Kiew sollen nur die Schwäche Moskaus übertünchen. Die Offensive kommt nicht voran, die Wirtschaft schwächelt. Zunehmend gelingt es der Ukraine, die russische Infrastruktur zu attackieren und den Krieg auch ins Land zu tragen. Die Regimetreue der Russen wird auf die Probe gestellt.
Erinnert sich noch wer? Putin ging anfangs davon aus, der Fall Kiews sei nur eine Frage von Tagen. Das Wort „Krieg“ war in Russland deshalb bei Strafe verboten. Offiziell hieß der Angriff „spezielle militärische Operation“. Diese spezielle Operation dauert inzwischen vier Jahre und drei Monate, Schätzungen zufolge sterben jeden Monat 35.000 russische Soldaten. Der Kriegsherr im Kreml kommt nicht weiter.
Auch Donald Trump hat sich verkalkuliert. Nach dem raschen Erfolg von Caracas (wo trotzdem weiter der Clan der Maduro-Ära regiert) dachte der US-Präsident, auch im Iran sei ein militärischer Erfolg eine Frage von Tagen. Doch in Teheran wurden die getöteten Machthaber fix durch neue, radikalere Köpfe ersetzt. Die iranischen Raketen hielten den US-Luftschlägen offenbar stand. Inzwischen wechselt Trump beim Thema Iran täglich Strategie und Ton.
Also alles nur halb so schlimm? Ist das neue Zeitalter der Rüpel-Herrscher schon vorbei? Stellt China das Säbelrasseln vor Taiwan wieder ein, weil es den Misserfolg der anderen sieht? Leider nein. So ticken die Führer der aktuellen Großmächte leider nicht. Trump ist kein Mann, der klein beigibt. Putin erst recht nicht. Im Gegenteil: Inzwischen wächst die Sorge, die Russen könnten im Baltikum testen, ob die Nato im Ernstfall zusammensteht. Auf einen angeschlagenen Trump sollte man da besser nicht zählen.