München – Bis 2033 will die Bundeswehr 460.000 Soldaten haben – darunter 200.000 Reservisten. Aktuell sind es lediglich rund 60.000. Über die Rolle der Reservisten und ungenutzte Potenziale sprachen wir mit Bastian Ernst. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist seit April Chef des Reservistenverbandes.
Was kann ein Reservist, womöglich mit langer militärischer Auszeit, konkret zur Landesverteidigung beitragen?
Die grundlegende Ausbildung aus militärischer Sicht ist der Heimatschutz und damit Objekt- und Infrastrukturschutz. Die Leute werden nicht in Einsätze geschickt. Auch nicht in die Ukraine, das geistert immer so als Gerücht herum. Ein Wehrdienstleistender, der in die Reserve geht, bleibt in Deutschland.
Sie plädieren dafür, die Altersgrenze von 65 auf 70 Jahre anzuheben. Die Politik denkt an 68.
Das ist eine Forderung, die auch von unseren Mitgliedern kommt. Die sind wirklich traurig, ihre Uniform abgeben zu müssen und nicht mehr mitüben zu können. Das sind Menschen, die mit 65, 66, 67 immer noch gut ausgebildet sind, viel Berufserfahrung haben, fit sind. Das kann der Mediziner sein, das kann aber genauso der IT-Experte sein oder jemand aus der Verwaltung. Und vor allem: es ist freiwillig. Niemand wird gezwungen, mit 67 eine Wehrübung zu machen.
Finden Sie Gehör mit Ihrer Forderung, das Einspruchsrecht von Arbeitgebern aufzuheben?
Ich hatte letztens einen Termin mit Unternehmensvertretern. Da hieß es gleich: Wir haben eh keine Leute! Ich habe denen gesagt, ich verstehe das und wir muten den Unternehmen auch etwas zu. Aber wir müssen bedenken: Wir haben eine fehlende Abschreckungsfähigkeit. Ein instabiles Land ist nicht im Interesse der Unternehmen. Zweitens: Reservisten, die Übungen aus vollster Überzeugung machen, geben das ihrem Arbeitgeber doppelt und dreifach zurück. Und das Dritte ist, dass es ja auch für die persönliche Entwicklung der Menschen gut ist. In Führungspositionen, generell in Stresssituationen. Ich glaube, wir sollten die Diskussion eher vom Positiven her führen.
Die Politik geht da mit?
Das Ministerium plant in dem Entwurf, die doppelte Freiwilligkeit aufzuheben. Das heißt aber nicht, dass Reservisten jetzt in wahlloser Zahl in unendlicher Länge zu Wehrübungen herangezogen werden. Da wird es auch eine Limitierung geben. Wir wollen den Unternehmen ja nicht schaden. Aber eine ewige Freiwilligkeit in allen Bereichen, damit werden wir nicht abschreckungsfähig.
Muss die Reserve nicht auch weiblicher werden?
Ja. Wir wollen nicht nur die jungen Männer ansprechen, sondern auch die jungen Frauen. Ich merke das bei Besuchen in Schulen, in der Regel ab der 10. Klasse. Wenn man mit den jungen Frauen redet, beschäftigen die sich schon damit. Wir müssen es hinkriegen, auch ihnen aufzeigen, warum wir sie in der Bundeswehr brauchen. Zugespitzt gesagt sind sie eine Ressource, die wir nicht adäquat nutzen.
Interview: Marc Beyer