Wieder Wirbel um einen CSU-Brief

von Redaktion

In Kontakt: Thomas Holz (li.) und Markus Söder. © sh

München – Nach dem Pfingstbrief von Manfred Weber sorgt ein weiteres Schreiben in der CSU für Aufregung – auch wenn es offenbar nie abgeschickt wurde. Auf vier Seiten beschweren sich der oder die Autoren in drastischen Worten über den Umgang mit dem schwachen Abschneiden der Partei bei der Kommunalwahl. Von „massiver Verärgerung und Enttäuschung“ ist die Rede. Dass die Schuld vonseiten der Parteispitze der Basis gegeben worden sei, habe sogar zu Austrittsdrohungen geführt. „Selbst eingefleischte CSU-Mitglieder wenden sich inzwischen von uns ab“, ist zu lesen.

Und weiter: In vielen Bereichen herrsche „eine massive Anti-CSU-Stimmung“ vor. „Diese wird offensichtlich durch das teils als überheblich empfundene Auftreten von Verantwortlichen erzeugt.“ Sogar von einem CSU-„Malus“ für Kandidaten ist in dem an Parteichef Markus Söder adressierten und auf den 26. Mai datierten Schreiben die Rede, das den Briefkopf des CSU-Kreisverbandes Bad Tölz-Wolfratshausen trägt. Zudem wird die Art der Zusammenarbeit mit den Freien Wählern auf Landesebene kritisiert. Unterschriften fehlen.

Der Kreisvorsitzende Thomas Holz – im März in der Stichwahl um den Landratsposten in Tölz unterlegen – distanziert sich gegenüber unserer Zeitung ausdrücklich. Zwar habe es im Rahmen einer „sehr lebhaften“ Sitzung des Kreisvorstands nach der Wahl tatsächlich die Idee gegeben, ein Schreiben an Söder zu formulieren, doch der nun beim Berliner Hauptstadtmedium „Pioneer“ gelandete Brief sei „noch nicht einmal ein Entwurf“ und „weder freigegeben noch autorisiert“. Bereits zuvor habe Söder – der in der Partei auf Kritik gestoßene Aussagen nach der Wahl auch schon öffentlich relativiert hat – zudem Bereitschaft zum Gespräch mit dem Kreisverband signalisiert. Kurzum: Der Brief wäre – wenn überhaupt – so nie offiziell rausgegangen.

Das habe er auch Söder persönlich mitgeteilt, sagt der Landtagsabgeordnete, als er am Donnerstagabend mitbekommen habe, dass das Schreiben in den Sozialen Medien aufgetaucht ist – obendrein versehen mit Holz’ Privatadresse. Wer es durchgestochen habe, wisse er nicht. In seiner Zeit in der Kommunalpolitik habe er „so etwas noch nicht erlebt“, sagt Holz..

In der ersten CSU-Reihe will man dem Thema angesichts aktueller Debatten offensichtlich nicht noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen – und schweigt.SEBASTIAN HORSCH

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