Jürgen Trittin bei einer Diskussionsrunde. © John/Imago
Heute begeht das Bundesumweltministerium sein 40-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat sich eine Liste von Ministern angesammelt, zu denen unter anderem Angela Merkel (CDU), Sigmar Gabriel (SPD), Peter Altmaier (CDU) und Svenja Schulze (SPD) gehören. Von 1998 bis 2005 stand an der Spitze des Ministeriums der Grünen-Politiker Jürgen Trittin.
Herr Trittin, das Bundesumweltministerium wird in dieser Woche 40 Jahre alt. Was hat es verändert?
Vor allem zwei Dinge. Das Ministerium hat erstens vor allem im technischen Umweltschutz enorm viel bewegt. Luft und Wasser sind viel sauberer geworden, und es hat beim Abfall Verbesserungen gegeben, durch Ansätze zur Kreislaufwirtschaft. Ich erläutere es gerne so: Vor 1990 konnten Sie an einer Luft- oder Wasserprobe noch erkennen, ob sie aus Ost- oder Westdeutschland stammte. Zehn Jahre später war das nicht mehr möglich, die guten westlichen Standards waren auch im Osten umgesetzt worden. Die zweite große Leistung ist, dass im Umweltministerium die Grundlage für die weltweite Revolution der Energieversorgung gelegt wurde. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde eine Entwicklung angestoßen, die weit über Deutschland hinausreicht. Ohne den dadurch ermöglichten Markthochlauf von Wind und Solar wären die Klimaziele von Paris heute nicht mehr erreichbar.
Das Ministerium entstand 1986 kurz nach Tschernobyl – vor allem, um Forderungen nach einem Atomausstieg hierzulande abzuwehren. War der später von Ihnen mitverhandelte Ausstieg und die Neuauflage davon nach Fukushima unter Kanzlerin Merkel richtig? Viele in Union, AfD und FDP würden ihn gerne rückgängig machen.
Ganz klar: Es war die richtige Entscheidung. 1986 war der Druck aus der Bevölkerung nach Tschernobyl massiv. Damals gerieten die Pläne für neue Reaktoren und die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente und damit die ganze Strategie der Atomwirtschaft ins Wanken. Seit 1986 war im Grunde klar: Atomenergie hat in Deutschland keine Zukunft mehr. Da SPD und Grüne diesen Impuls ernst nahmen, musste genau dieses Ministerium später den Ausstieg organisieren. 1998 war es das Umweltministerium, das den Atomausstieg im Konsens mit der Wirtschaft verhandelte und gesetzlich festlegte. Das war die erste Säule der Energiewende. Die zweite war, den wegfallenden Atomstrom zu ersetzen. Damals deckten die AKW etwas mehr als 20 Prozent des Strombedarfs. Genau diese Größenordnung sollte das EEG bis 2020 durch Erneuerbare erreichen. Die dritte Säule war dann der Emissionshandel, der über die EU eingeführt wurde.