Ein Ausweg aus dem Stellungskrieg

von Redaktion

Selenskyj für Verhandlungen

Weil Donald Trump zuletzt seine ganze Aufmerksamkeit dem Iran zugewendet hat, haben viele schon den Abgesang auf die Ukraine angestimmt: Ohne die US-Waffen, die jetzt im Iran-Krieg gebraucht würden, werde Kiew nicht lange durchhalten. Doch die Ukrainer wurden unterschätzt, wieder einmal. Im April hat die ukrainische Armee erstmals seit zwei Jahren mehr Gebiete zurückgewonnen als an Russlands Truppen verloren. Dazu kommen die Drohnenangriffe, durch die tief im russischen Hinterland Ölraffinerien und Pipeline-Knotenpunkte zerstört werden konnten. Gerade diese Attacken, mit denen der scheinbar so ferne Krieg in die russischen Wohnzimmer getragen wird, wirken auf die Stimmung in Russland – und haben auch eine Mutmach-Funktion für die vom jahrelangen Kriegsleid zermürbten Ukrainer. Dass Wolodymyr Selenskyj dieses Momentum nutzt, um Wladimir Putin nun Verhandlungen zur Beendigung des Krieges anzubieten, könnte ein Wendepunkt sein.

Denn auch Putin hatte ja zuletzt Verhandlungen ins Spiel gebracht, unter Vermittlung Gerhard Schröders. Zwar bleibt unklar, ob das nur eine kremltypische Finte war, um bei den westlichen Unterstützern Zwiespalt zu säen. Aber da Putin die wachsende Kriegsmüdigkeit seiner Bevölkerung nicht einfach ignorieren kann, könnte auch auf seiner Seite die Bereitschaft wachsen, einen Ausweg zu suchen.

Umso unverständlicher, dass gerade an diesem Wendepunkt deutsche Unternehmer mit ihrer Teilnahme am St. Petersburger Wirtschaftsforum den zuletzt zunehmend erfolgreichen Sanktionsdruck auf Putin unterlaufen.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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