Die Erkenntnis, dass die soziale Herkunft Einfluss auf den Werdegang hat, ist so alt wie die Debatten über eine angemessene BAföG-Förderung. Die Fakten sind bekannt: Akademikerkinder studieren öfter. Kinder von Nicht-Akademikern, die es an die Uni geschafft haben, brechen ihr Studium häufiger ab. In Studien zur Bildungsgerechtigkeit schneidet Deutschland schlecht ab. Dennoch rechnet selbst die Forschungsministerin nicht mehr damit, dass die BAföG-Reform tatsächlich kommt. Und in einem Punkt ist Dorothee Bär nicht zu widersprechen: Wenn überall gespart wird, selbst bei den Pflegebedürftigsten, sind steigende Leistungen schwer darstellbar.
Trotzdem ist der Vorgang problematisch – sowohl die Tendenz gegen eine Anhebung als auch Bärs Haltung. Rund 35 Prozent der Studenten leben in Deutschland unter der Armutsgrenze, nicht mal zwölf Prozent beziehen überhaupt BAföG. Selbst wenn die Sätze doch noch erhöht werden sollten, würden sie die enorme Teuerung nicht auffangen, speziell bei der Miete.
Bärs Einwand, ein Nebenjob sei „kein Drama“ und oft eine berufliche Bereicherung, kommt arg lapidar daher. Als würde ein großer Teil der Studenten nicht heute schon arbeiten, um sich über Wasser zu halten. Was Bär nicht erwähnt: Viele Studiengänge erfordern Praktika, die die Semesterferien ganz oder teilweise füllen. Man kann schon froh sein, dafür überhaupt entlohnt zu werden. In der vorlesungsfreien Zeit noch ein Polster fürs Semester anzulegen, ist unter diesen Umständen schwer bis unmöglich.
Bär formuliert noch einen Satz mit überschaubarem Taktgefühl: Es werde kein „Vollkaskostudium“ geben. Dabei geht es Studenten nicht um eine Abfederung aller Risiken. Aber ein bisschen mehr Unterstützung von einem Staat, der von einem gut ausgebildeten Steuerzahler später auch profitiert, wäre nicht zu viel verlangt.