„Zeitfenster“ für Ukraine-Frieden

von Redaktion

Alltag in Kiew: Ein Feuerwehrmann löscht das Feuer auf einem Marktplatz der Stadt, der von russischen Raketen getroffen wurde. Rechts: Präsident Selenskyj. © Kappeler/Lukatsky/dpa

Moskau/Kiew – Angesichts der jüngsten militärischen Misserfolge Russlands sieht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Chance für eine diplomatische Lösung des Konflikts. „Es begann im Dezember 2025, Russland begann die Initiative auf dem Schlachtfeld zu verlieren“, sagte Selenskyj in einem Interview des Senders CBS News. Es gebe jetzt ein „Zeitfenster“, das man nutzen müsse. Russland könne nicht mehr Territorium besetzen, als die Ukraine zurückerobere.

„Daher denke ich, dass wir einen diplomatischen Weg finden müssen – hinsetzen und verhandeln – bis Anbruch des nächsten Winters“, sagte Selenskyj. Allerdings sei dazu innerer Druck auf Kremlchef Wladimir Putin ebenso nötig wie mehr Sanktionsdruck durch die USA und Europa. Auch Europa müsse mit am Verhandlungstisch sitzen, möglicherweise in einem Dreierformat von Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Die Lockerung von Sanktionen gegen Russland angesichts der aktuellen Erdölkrise kritisierte Selenskyj. „Sanktionen aufheben bedeutet, russischen Soldaten zu helfen, indem man der russischen Industrie hilft“, sagte er. Durch die Lockerung der Sanktionen gegen Moskau seien bislang die globalen Preise für Öl, Benzin oder Diesel ohnehin nicht gesunken. „Dies ist nicht die richtige Herangehensweise, denn die Russen verstehen keine Worte oder Empathie und sehen es als Zeichen der Schwäche“, so Selenskyj.

Auch der ukrainische Ex-Wirtschaftsminister Tymofiy Mylovanov erklärte gegenüber CNN, dass der Krieg vor einem Wendepunkt stehe, da die „Front sich zu unserem Vorteil verschiebt“. Der Kommandeur des Dritten Armeekorps der Ukraine, Brigadegeneral Andrij Bilezkyj, hatte vor wenigen Tagen gesagt, die Ukraine habe ein Zeitfenster von sechs Monaten, um die Initiative zu ergreifen und ihre Position für Verhandlungen zu stärken. Die russische Armee sei nach seiner Einschätzung erschöpft und zu größeren Durchbrüchen nicht mehr in der Lage.

Doch umso mehr setzt Putin auf Raketen-Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung: In der grenznahen Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine schlugen russische Raketen in zwei Wohnblocks ein, teilte Gouverneur Oleh Synjehubow mit. Dabei seien in Charkiw zwei Personen verletzt worden, eine weitere Frau habe es in der Kleinstadt Bohoduchiw getroffen.

Drei Verletzte gab es in der Nacht auch im südukrainischen Cherson. Das russische Militär beschoss die Stadt mit Artillerie. Ein Geschoss schlug in einem Wohnhaus ein. Vier weitere Verletzte gab es in der Region Dnipropetrowsk. Eine 54-Jährige schwebe in Lebensgefahr, teilte der Gouverneur Olexander Hanscha mit.

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