Deutschland und die Uno-Krise

von Redaktion

Sitz im Sicherheitsrat

„Die Vereinten Nationen wurden nicht gegründet, um uns in den Himmel zu führen, sondern um uns vor der Hölle zu retten.“ So beschrieb Dag Hammarskjöld, früherer UN-Generalsekretär, einst den Zweck der Uno. Gut 70 Jahre später erfüllt sie diesen angesichts des Leids in der Ukraine, in Nahost, im Sudan und an zahlreichen anderen Schauplätzen eher schlecht als recht.

Da Deutschland nun erstmals droht, mit seiner Kandidatur für den Sicherheitsrat zu scheitern, drängt sich die Frage auf: Lohnt es sich überhaupt noch, in diesem zahnlosen Gremium zu sitzen, in dem sich die Veto-Mächte wechselseitig blockieren? Ja, es lohnt sich. Die Bundesrepublik – eine der stärksten Unterstützerinnen der Ukraine – sollte dort mitreden können, wo fürs Völkerrecht gestritten wird. Hinzu kommt, dass Deutschland das zweitgrößte Geberland ist – seit die USA ihre Beiträge nicht mehr vollständig zahlen, vielleicht sogar das größte. Die Konkurrenten Österreich und Portugal rangieren deutlich dahinter. Für die Autokraten in Moskau, Peking und Washington gilt das Recht des Stärkeren – ein deutscher Einwand im Sicherheitsrat würde nach dieser Logik zumindest etwas mehr Gehör finden.

Anders als in vorherigen Amtszeiten benötigt Deutschland aber eine klare Haltung: Berlin muss auf Reformen pochen, die die Uno aus ihrer ewigen Blockade lösen. Derzeit wird sie von Demokraten bezahlt, aber von Autokraten beherrscht. Im Kern bleibt ihr Anliegen jedoch unverzichtbar: eine Welt, in der jeder in „Freiheit von Furcht“ leben kann.

SOPHIA.BELLIVEAU@OVB.NET

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