Bundesaußenpolitiker sind gern ganz ergriffen von ihrer eigenen Bedeutung, ihren vielen Highlevel-Meetings und strategischen Dialogen. Jetzt kam mal der Moment, in dem gnadenlos das Licht angeht. Im Votum um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat ist Deutschland krachend durchgefallen. Und der Außenminister steht nackt da.
Die Niederlage schmerzt. Schlimmer ist ihr Ausmaß, rausgeflogen im ersten Wahlgang. Besonders peinlich: Johann Wadephul sah das nicht kommen, streute noch kurz vorher Zuversicht. Dieser Außenminister mag drollige Instagram-Videos machen (also: seine steuerfinanzierten Mitarbeiter), aber Deutschlands Ansehen schätzt er grundlegend falsch ein. Trotz monatelanger Vorarbeit und sehr, sehr großem Stab.
Die Gründe für die deutsche Nicht-Wahl sind vielfältig, schlechtes Timing, Baerbock-Personalie 2025, Russlands Stimmungsmache. Auf manche Gründe kann man sogar stolz sein, etwa die klare Linie pro Israel und sein Existenzrecht (auch wenn es besser wäre, genauer zu differenzieren und zu zwielichtigen Figuren wie Netanjahu Abstand zu wahren). Das mag manche Gaza-Sympathisanten selbst in Europa verschrecken. Dann sei es so.
Deutschland bleibt nun ohne Stimme im Sicherheitsrat. Nicht gut. Aber Macht hat die Bundesrepublik in den UN weiterhin, weil sie mindestens zweitgrößter Zahler ist, und das überwiegend durch freiwillige Zusagen. Diese Position sollte Berlin mit mehr Härte auch dafür nutzen, den Druck für UN-Reformen zu erhöhen. Nicht beleidigt, sondern konstruktiv: Die UN müssen wieder handlungsfähig werden (und nebenbei viel schlanker). Die Welt braucht dieses Forum dringender denn je.CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET