KOMMENTAR

Tiananmen: Kein Platz für Widerstand

von Redaktion

Der 4. Juni markiert ein historisches Datum, das in der Erinnerung vieler Menschen längst verblasst sein dürfte. An diesem Tag vor 37 Jahren wurde auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum Pekings die chinesische Demokratiebewegung brutal von der eigenen Regierung niedergeschlagen. Das Ereignis ging als Tiananmen-Massaker in die Geschichte ein.

Die Welt in der Mitte und am Ende der 1980er-Jahre war eine andere als heute. Der autoritär regierte Einparteienstaat China spielte weder politisch noch wirtschaftlich im Konzert der Mächtigen mit, das Land war weitgehend abgeschottet. Die jungen Chinesen, die 1989 den Protest wagten, waren inspiriert von den aufstrebenden Reformbestrebungen im damaligen Ostblock. Nachhaltig befeuert wurden diese von einem Mann namens Michail Gorbatschow, der sich ab 1985 als Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) daran machte, mit Glasnost und Perestroika sein Land und damit den gesamten Ostblock umzukrempeln.

Diese Entwicklung blieb auch im Reich der Mitte nicht verborgen. Doch Chinas Machthaber entschieden sich – nur wenige Wochen nach einem Besuch Gorbatschows in Peking –, dass weder Offenheit und Transparenz (Glasnost) noch Umgestaltung (Perestroika) dort Platz haben sollten.

Und heute? China ist zwar weiterhin ein autoritär regierter Einparteienstaat, aber in allen Bereichen zu einem der großen Spieler auf der Weltbühne geworden. Jüngst erst machten binnen weniger Tage US-Präsident Donald Trump und Kremlherrscher Wladimir Putin dem riesigen Land demonstrativ ihre Aufwartung.

Auch wenn der wirtschaftliche Boom durchaus Schattenseiten hat oder Probleme mit der lange propagierten Ein-Kind-Politik in China offenbar werden, Präsident Xi Jinping regiert quasi als Alleinherrscher mit harter Hand. Schon allein der gigantische Überwachungsapparat sorgt dafür, dass Reformbestrebungen im Keim erstickt werden.

Am 4. Juni auch dieses Jahres gab es kein Gedenken für die – inoffiziell tausenden – Opfer in Peking: Bis heute hat der Widerstand auf dem Tiananmen vom Frühsommer 1989 keinen Platz in den chinesischen Geschichtsbüchern.

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