Gerhard Schröder, Bundeskanzler von 1998 bis 2005 © dpa
Berlin – Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner hat das Treffen von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau als „Chance“ verteidigt. „Egal, was man von Gerhard Schröder hält, muss doch jeder anerkennen: Es ist eher eine Chance als ein Risiko, wenn der frühere Bundeskanzler Schröder mit Präsident Putin redet“, sagte Stegner dem „Tagesspiegel“. Die Bundesregierung wollte das Treffen zwischen Schröder und Putin dagegen nicht kommentieren. Das Auswärtige Amt teilte mit, man sei in die Unterredung zwischen Schröder und Putin „nicht eingebunden“ gewesen.
Stegner sagte: „Was bitte soll ein solches Vier-Augen-Gespräch schaden? Ob es am Ende nützen wird, lässt sich heute kaum abschätzen.“ Der russische Präsidentenberater Juri Uschakow hatte nach dem Treffen zwischen Putin und Schröder am Freitagabend nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax gesagt, es sei „ein gutes Gespräch“ gewesen. Das Treffen habe im Kreml stattgefunden. Zum Inhalt könne er nichts sagen, weil es sich um ein „Gespräch unter vier Augen“ gehandelt habe, fügte Uschakow hinzu. Dieses sei „freundschaftlich“ verlaufen.
Putin hatte für den Fall von Verhandlungen im vergangenen Monat Schröder als seinen bevorzugten Vermittler von europäischer Seite genannt. In Brüssel und Berlin war der Vorschlag skeptisch aufgenommen worden. Kanzler Merz betonte Mitte Mai, die Europäer „entscheiden selbst, wer für uns spricht“. Außerdem zweifelte er daran, dass es auf russischer Seite tatsächlich Verhandlungsbereitschaft gebe.
Laut Stegner gilt es in der „teils großen Erregung über Schröder“ zu unterscheiden: Ein Verhandlungsführer für den Westen könne Schröder nicht sein. „Aber natürlich kann er ein Vermittler zu Putin sein“, sagte Stegner. Schröder sei kein aktiver Politiker mehr, er entscheide damit auch nichts.
„Wer in Deutschland hat denn noch Zugänge zu Putin?“, fragte der SPD-Politiker. „Wir können froh sein, dass der Draht zwischen Schröder und Putin noch funktioniert.“ Er sei sicher, Schröder sei nicht im Kreml gewesen, „um Putin zu diesem schrecklichen Krieg zu gratulieren oder ihn zu umschmeicheln“, sagte Stegner.AFP