Berlin/München – Die Gewerkschaften wollen die Arbeitgeber bei der Stärkung der Altersversorgung in die Pflicht nehmen: Der DGB sei dafür, „dass es eine verpflichtende betriebliche Alterssicherung für alle gibt, und zwar mit uns als Tarifvertragsparteien“, sagte die Vorsitzende Yasmin Fahimi dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Diese Altersversorgung müsse zusätzlich zur gesetzlichen Rente kommen. Wie sie im Detail bezahlt werden soll, ließ Fahimi offen. Die betriebliche Altersvorsorge dürfe aber „nicht einseitig zu Lasten der Arbeitnehmer gehen“. Sprich: Die Arbeitgeber sollen zur Finanzierung stärker beitragen.
Fahimi erwartet vor dem Hintergrund der angespannten Finanz- und Wirtschaftslage Proteste. Sie könne sich vorstellen, „dass da der Aufschrei groß sein wird und die Kritik kommt, dass noch mehr Beiträge fällig werden“. In den meisten Ländern Europas liege der verpflichtende Rentenbeitragssatz aber bei 20 Prozent oder mehr und damit deutlich über den deutschen Sätzen. Oft sei der Arbeitgeberanteil dabei sogar höher als das, was die Arbeitnehmer zahlten, sagte die DGB-Chefin. „Ganz irrsinnig kann dieser Ansatz also nicht sein.“
Fahimi zufolge verfügen rund 20 Millionen Beschäftigte in Deutschland nicht über eine betriebliche Altersvorsorge, in der Regel, weil sie in Betrieben beschäftigt seien, die nicht tarifgebunden sind, sagte Fahimi. In solchen Fällen wäre aus ihrer Sicht denkbar, die Beschäftigten unter bestimmten Bedingungen in die bestehenden Modelle aufzunehmen.
Unterstützung für ihren Vorschlag kommt vom Arbeitnehmerflügel der Union. Um das Rentenniveau zu sichern, werde man die drei Säulen der Altersvorsorgung – gesetzlich, betrieblich und privat – künftig noch vernetzter denken müssen, sagte CDA-Chef Dennis Radtke der Funke Mediengruppe. „Die betriebliche Altersversorgung verpflichtend für alle zu machen, ist daher ein richtiger Schritt.“ Es gebe schon heute funktionierende Modelle in der Chemieindustrie und anderen Tarifbereichen, die sicher für andere geöffnet werden könnten. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil hatte sich zuletzt für eine Stärkung der betrieblichen Altersversorgung ausgesprochen.
Derweil geht die Debatte über das Renteneintrittsalter weiter. Langjährig Versicherte und Menschen mit Schwerbehinderung sollen nach Wunsch der Mehrheit weiterhin mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können. 75 Prozent sprachen sich in einer YouGov-Umfrage für den Sozialverband VdK für den Rentenzugang ab 65 nach 45 Beitragsjahren aus, 78 Prozent im Fall von Schwerbehinderung. Auch bei den Jüngeren will demnach mehr als jede zweite befragte Person diese Wege in die Rente offenhalten.
In der Politik scheine die Erhöhung der Regelaltersgrenze schon beschlossen zu sein, kritisierte VdK-Präsidentin Verena Bentele. „Wer ab dem 20. Lebensjahr mehr oder weniger durchgängig bis 65 gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, verdient einen abschlagsfreien Rentenzugang. Das Gleiche gilt für Menschen mit einer Schwerbehinderung, die 35 Jahre vorweisen müssen, bevor sie mit 65 und ohne Abschläge in Rente gehen können.“ Viele arbeiteten weiterhin ehrenamtlich, in Teilzeit oder Minijobs.KLAUS RIMPEL