Israel torpediert Trumps Iran-Pläne

von Redaktion

Iranischer Angriff: Israelische Männer inspizieren im Westjordanland das Wrack einer Rakete. Die neuen Attacken gefährden die US-Verhandlungen mit Teheran. © Awad/dpa, Loeb/AFP

Teheran/Tel Aviv – Erstmals seit zwei Monaten hat der Iran Israel wieder mit mehreren Raketenwellen attackiert und die ohnehin fragile Lage in der Region weiter zugespitzt. Israel reagierte umgehend und nahm seinerseits Ziele im Iran ins Visier. Zwar kündigte Teheran am Montagnachmittag an, die Angriffe vorerst einzustellen – doch die neue Eskalationsspirale verstärkt die Sorge vor einem erneuten offenen Konflikt zwischen den beiden Staaten.

Auslöser der jüngsten Konfrontation waren israelische Angriffe am Sonntagnachmittag auf Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut. In den als Dahija bekannten Vierteln, einer Hochburg der pro-iranischen Hisbollah, griff die israelische Armee nach eigenen Angaben „Terroristen-Hauptquartiere“ der Miliz an. Die Hisbollah hatte zuvor erneut den Norden Israels vom Libanon aus mit Raketen beschossen.

Der Iran reagierte am späten Sonntagabend mit Angriffen auf Israel und stellte eine direkte Verbindung zu den Ereignissen im Libanon her. In vielen Orten im Norden, Süden und Zentrum Israels heulten die Sirenen. Die Einwohner waren aufgerufen, sich in Schutzräume zu begeben. In den betroffenen Gegenden waren Explosionen zu hören, während die Flugabwehr versuchte, anfliegende iranische Geschosse abzufangen. Der Iran habe seit Sonntagabend mehr als 20 ballistische Raketen Richtung Israel gefeuert, hieß es aus Israels Armee.

Am Montagnachmittag erklärte Irans Militärführung die Angriffe für beendet und sperrte bis zum frühen Abend seinen gesamten Luftraum. Über Stunden fielen sämtliche Verbindungen an allen iranischen Flughäfen aus, auch Syrien und der Irak sperrten für mehrere Stunden ihren Luftraum. Die Islamische Republik habe zur Unterstützung des Libanons Israel eine „schmerzhafte Antwort“ erteilt, hieß es derweil in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der Militärführung. „Vor diesem Hintergrund wird die Einstellung der Operationen der Streitkräfte bekannt gegeben.“ Sollten die Kampfhandlungen weitergehen, darunter Israels Angriffe im Südlibanon, würden „härtere und vernichtendere Maßnahmen als bisher“ erfolgen.

Ein israelischer Militärsprecher sagte, der Iran habe mit den neuen Raketenangriffen einen „schweren Fehler“ begangen. Doch auch Israel will nach Medienberichten die Angriffe einstellen. Nach Ende einer Sitzung des engeren Ministerkreises um Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte demnach ein ranghoher Regierungsvertreter: „Auf Wunsch von Trump stellen wir die Angriffe auf den Iran ein.“ Er habe den Eindruck, „dass die derzeitige Eskalation hinter uns liegt“.

Der namentlich nicht genannte Repräsentant sagte laut einem Bericht des Nachrichtenportals „ynet“, man werde die Angriffe im Libanon jedoch „mit voller Intensität fortsetzen“. Sollte die libanesische Hisbollah-Miliz erneut auf den Norden Israels schießen, werde man auch wieder die Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angreifen. Ein solcher Angriff am Sonntag hatte neue iranische Raketenangriffe auf Israel ausgelöst. Auch der israelische Kan-Sender berichtete, Israel werde die Angriffe im Iran, nicht aber im Südlibanon stoppen.

Laut dem israelischen Iran-Experten Danny Citrinowicz sieht sich Trump bei den Verhandlungen mit dem Iran mit einer besonders schwierigen strategischen Lage konfrontiert: „Die ihm zur Verfügung stehenden Optionen sind alles andere als günstig, und er scheint eher bereit zu sein, nahezu um jeden Preis eine Einigung mit dem Iran zu erzielen, als ein Abgleiten in eine umfassendere regionale Konfrontation zu riskieren“, analysiert Citrinowicz. Die neuen Entwicklungen zeigen jedoch: Bei einem Abkommen um jeden Preis dürfte man von einer nachhaltigen Lösung des Konflikts in der Region weit entfernt sein.

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