KOMMENTAR

Die unterschätzte Gefahr

von Redaktion

Handyverstöße am Steuer

Am Steuer eines Autos kann man viele dumme Sachen machen, aber das Checken oder gar Verfassen von E-Mails ist die wohl dämlichste Form. Die Gefahr liegt auf der Hand, doch selten war sie so anschaulich wie in einer Kalkulation des ADAC. Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden aufs Display sieht, fährt 28 Meter blind.

Das hindert erschreckend viele Menschen nicht daran. 2,7 Prozent klingen beinahe harmlos, doch die absolute Zahl von einer Milliarde Verstößen im Jahr lässt wenig Interpretationsspielraum. Der Gesetzgeber muss deutlich strenger werden, zumal Freisprechanlagen nicht die erhoffte Wirkung erzielen. In den meisten Sündenfällen nutzen Autofahrer ihr Smartphone nicht zum Telefonieren, sondern zum Lesen, Schreiben, Scrollen.

Die Handy-Blitzer, die neuerdings in Rheinland-Pfalz zum Einsatz kommen, sind deshalb kein Auswuchs staatlicher Kontrollitis. Im Gegenteil, sie stellen das vielleicht einzige Mittel gegen eine Gefahr dar, die lange unterschätzt wurde. Auf guten Willen und Einsicht zu hoffen, greift jedenfalls zu kurz. Wer sich ohne Not im Blindflug bewegt, dem ist anders als mit maximaler Strenge nicht zu helfen.

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