„Wir haben es geschafft“, jubelten die Grünen 2024, als der Bundesrat die endgültige Legalisierung von Cannabis besiegelt hatte. Schluss sei nun mit der „ideologisch motivierten Verbotspolitik“. Das war die gleiche Fraktion, die heute die „traurige Spitzenposition“ Deutschlands beim Alkoholkonsum bekämpfen will. Eine Fraktion, die sich lange gegen den Ruf als Verbotspartei wehrte, will Alkoholwerbung verbieten, auch alkoholische Getränke im Kassenbereich und das „begleitete Trinken“ ab 14 Jahren.
Ja, Alkohol ist schädlich. Cannabis übrigens auch. Doch beim einen wie beim anderen haben Verbote selten zu einem verantwortungsvollen Umgang beigetragen. Beim Alkohol weiß man das seit der Prohibition. Der Grünen-Vorstoß überrascht ohnehin, denn eigentlich entwickeln sich die Zahlen auch ohne staatlichen Eingriff in die richtige Richtung: Statistisch geht der Pro-Kopf-Konsum zurück. Alkoholfreies Bier erlebt einen Siegeszug, den vor zehn Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Bemerkenswert: Gerade bei Jugendlichen ist es nicht mehr cool, sich abends wegzuschießen. Hier findet ein Kulturwandel statt, der bei all dem Gejammer über die Gen Z viel zu wenig gewürdigt wird. Komasaufen war gestern. Anders ist es übrigens beim Rauchen, wo die Zahlen steigen.
Natürlich mutet das „begleitete Trinken“ antiquiert an. Doch von einer Abschaffung sollte man nicht viel erwarten. Das erste Bier, die erste Zigarette wurden schon immer eher hinter der Scheune oder im Wald konsumiert. Daran werden die Grünen nichts ändern.