Vor fast zehn Jahren wurde er mit viel Tamtam angekündigt, nun wird er nie abheben: Das FCAS-Projekt für einen europäischen Kampfjet ist beendet. Einmal mehr scheitert ein europäisches Großprojekt an Einzelinteressen. Das ist peinlich für den Kontinent, der angesichts der vielen Bedrohungen auf der Welt enger zusammenrücken will. Es signalisiert, dass man sich in Verteidigungsfragen nicht einig ist, dass Entschlossenheit fehlt und am Ende doch jeder auf seinen eigenen Vorteil schielt, statt zusammenzustehen. Kein gutes Signal.
Trotzdem war es richtig, dass Kanzler Friedrich Merz den gemeinsamen Jet abgeschossen hat. Viel zu lange wurde die Entwicklung des wichtigen Waffensystems blockiert. Das lag am Rüstungskonzern Dassault, für den es offenbar lukrativer ist, seine Rafale weiterzuverkaufen, als gemeinsam mit Airbus einen neuen Jet zu planen. Deshalb setzte die Dassault-Führung auf maximale Konfrontation im Projekt und provozierte dessen Bruchlandung. Es lag aber auch daran, dass Deutschland kein Flugzeug für Atomwaffen und Flugzeugträger benötigt, Frankreich schon. Statt sich diesen Fakt erst nach fast zehn Jahren Arbeit einzugestehen, hätte man ihn sich vorher klarmachen müssen.
Nun müssen die Beteiligten das Beste aus der Situation machen. Vor allem müssen jene FCAS-Teile weiterentwickelt werden, die nur indirekt mit dem Jet zu tun haben: die das Flugzeug begleitenden Drohnenschwärme und die intelligente Architektur, die alle Waffensysteme miteinander vernetzt. Sie sind die eigentliche Revolution bei FCAS. Dieser künftig kriegsentscheidende Bereich könnte ausgerechnet durch das Jet-Aus neuen Schwung bekommen, weil mit dem Dassault-Streit endlich ein Bremsfaktor wegfällt.
Und auch beim Jet selbst gibt es die Lösung, zwei Flugzeuge zu bauen, auch wenn das wohl teurer ist. Mögliche Firmen dafür stehen bereit. Doch die Politik muss sich schnell zu einer Entscheidung durchringen und die dann konsequent umsetzen. Tut sie das nicht, ziehen weitere Jahre ins Land – und Berlin muss seine Kampfjets dann doch wieder in den USA kaufen, weil eine Eigenentwicklung verbummelt wurde.ANDREAS.HOESS@OVB.NET