Treffen sich bald: Markus Söder und Manfred Weber. © dpa
München – Der Ministerpräsident verschwindet zügigen Schrittes in den Konferenzsaal im vierten Stock des Landtags, in dem die CSU ihre Fraktionssitzung abhält. Außer einem freundlichen „Hallo“ gibt’s am Dienstagmittag von Markus Söder kein Wort zur Presse. Seit Wochen zeigt er sich schweigsam. Dabei gäbe es viel zu besprechen.
Ein Pfingst-Brief belastet die CSU – noch immer. Europapolitiker Manfred Weber hatte darin eine ernsthaftere und am Gemeinsinn orientierte Politik gefordert. Zwischen den Zeilen eine klare Attacke auf den Parteichef. Zuletzt hat Weber noch mal nachgelegt. Die CSU werde sich „in den nächsten Wochen, Monaten strategisch neu aufstellen“. Dann werde es auch darum gehen, „wer das Führungspersonal ist“.
Der Hintergrund: Söder ist in der CSU so umstritten wie lange nicht. An der Basis ist die Stimmung spätestens seit den teils krachend verlorenen Kommunal-Stichwahlen im März aufgewühlt. Wie sehr, hatte zuletzt ein weiterer öffentlich gewordener Brief-Entwurf aus dem Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen gezeigt, der zwar nie abgeschickt wurde, aber deutlich macht, welche Diskussionen geführt werden. Von einer „massiven Anti-CSU-Stimmung“ war die Rede und vom „teils als überheblich empfundenen Auftreten von Verantwortlichen“.
Söder hatte bereits zuvor Besserung gelobt, bemüht sich seither merklich um ernstere Töne und ein betont seriöses Auftreten. Seine Essensposts auf Social Media hat er eingestellt. Dass er seitdem tausende Follower eingebüßt hat, scheint er in Kauf zu nehmen.
In der Sitzung ergreift erst Klaus Holetschek das Wort. Es mache keinen Sinn, Briefe zu schreiben. Stattdessen müssten sie ihre Arbeit erledigen, appelliert der Fraktionschef an die Abgeordneten. Der Chef des Kreisverbands Bad Tölz-Wolfratshausen, Thomas Holz, der als Landtagsabgeordneter mit im Raum ist, wird nicht mehr auf das Schreiben aus seinen Reihen angesprochen.
Söder selbst spricht zwar zu den Abgeordneten, geht aber mit keinem Wort auf den Weber-Brief ein. Als die Sitzung rum ist, bleibt er noch länger im Raum, führt Gespräche. Danach ist er schnell weg.
Das Thema gehöre in den Parteivorstand, ist aus den vorderen Reihen der CSU zu hören. Parteivize Weber, als EVP-Chef beruflich vor allem in Brüssel unterwegs, wird dazu am Montag in der CSU-Zentrale im Münchner Norden erwartet – eine Absage gibt es bisher jedenfalls nicht. Damit treffen Söder und er dann direkt aufeinander.SEBASTIAN HORSCH CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER